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Fortsetzung von „Das Bewusstsein - Nur Funke der Neuronen?”
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Teil Eins: Hin zu einer Wissenschaft des Bewusstseins
Neuronale Korrelationen des Bewusstseins?
"Bewusstsein: diese lästige Zeit bis zum nächsten Nickerchen", las ich auf dem Autoaufkleber eines staubigen Jeeps mit kalifornischem Kennzeichen. Es war noch nicht einmal neun Uhr morgens und Arizonas Sonne brannte bereits, als ich mir den Weg durch die weitläufigen Parkplätze rund um das Konferenzzentrum von Tucson bahnte. Ich war gleich nach einem außergewöhnlich kalten Neuengland-Winter in die Wüste gekommen, vorbereitet auf eine Atempause, doch mit meinen langen Hemdsärmeln war ich immer noch zu warm angezogen. Tucson, eine uninteressante Stadt im Südwesten, schien ein unwahrscheinlicher Ort, an dem sich im letzten Jahrzehnt jedes zweite Jahr die hellsten Köpfe der Geisteswissenschaft im Streben nach "einer Wissenschaft des Bewusstseins" versammelt haben.
Wenn zehn Jahre für die entscheidende Konferenz auf einem führenden Gebiet der Wissenschaft wie eine kurze Zeitspanne klingen, dann deshalb, weil die Feststellung, dass etwas so Ungreifbares wie das Bewusstsein überhaupt studiert werden kann, an sich eine neue Idee ist. Da die Wissenschaft ihr Imperium, auf der Suche nach der "objektiven" Perspektive der dritten Person, errichtet hatte, betrachtete sie für lange Zeit das Bewusstsein, oder die subjektive Erfahrung, bestenfalls als außerhalb ihres Forschungsgebiets liegend – schlimmstenfalls aber als irrelevant. In den frühen Tagen der Psychologie hatte es eine Periode gegeben, in der William Jones und andere Introspektionisten einen Vorstoß in die subjektive Domäne machten, indem sie mit der Beobachtung und Aufzeichnung der Arbeitsweise ihres eigenen Geistes begannen. Doch dieses Vorgehen wurde Anfang 1900 durch die Einführung der Verhaltenslehre von James B. Watson rasch aus der Disziplin verwiesen. Letztere versprach, die Psychologie zu einer respektablen Wissenschaft zu machen, indem sie selbige auf das Studium von beobachtbarem Verhalten beschränkte. Mit der Geburt der kognitiven Psychologie in den 1960ern und dem daraus folgenden Niedergang der Verhaltenslehre kam das Wort "Bewusstsein", langsam wieder ins Spiel. Es entwickelte sich jedoch erst nach 1990 zu einem ernsthaften Studiengebiet, was der Kühnheit von Neurowissenschaftlern wie Francis Crick zu verdanken ist. In einer einflussreichen Veröffentlichung von 1990, gemeinsam geschrieben mit seinem Forschungspartner Christof Koch, verfasste Crick, der von früh an entschlossen war, die Existenz von Gott und Seele zu widerlegen, einen leidenschaftlichen Aufruf an die Neurowissenschaft, doch ihr wachsendes wissenschaftliches Arsenal einzusetzen und die materielle Basis des Bewusstseins zu demonstrieren. Das Schriftstück war offenbar ein Zeichen der Zeit, denn in den folgenden Jahren entstand das Feld der Bewusstseinswissenschaft, das 1994 in der Inauguration der ersten Konferenz von Tucson gipfelte.
Wenn die Kulisse der Plenarsitzung zur Eröffnung der Konferenz 2004 in irgendeiner Weise als Hinweis gelten kann, dann ist Bewusstsein seither ein heißes Thema. Als ich mich zum größten Saal des Konferenzzentrums aufmachte, waren dort etwa 800 Stühle vor einer großen Videowand und einer Bühne aufgestellt und Kameraleute suchten sich gerade ihre Positionen. Obwohl der Haupttrakt bereits gefüllt war, als ich ankam, schaffte ich es, ganz vorne einen einzelnen Platz zu finden, gerade rechtzeitig, als David Chalmers, der Organisator und Moderator der Konferenz – und böser Bube des Hauses – , die Bühne betrat. Sportlich, mit gebleichter Jeans, halb hineingestecktem T-Shirt, schwarzer Lederjacke und wildem langem Haar hätte der 39-Jährige eher als Heavy-Metal Sänger überzeugt denn als einer der meist respektierten Philosophen des Geistes. Doch seit der Konferenz von 1994, als er die Zuhörer so famos herausgefordert hatte, sich dem "schwierigen Problem" des Bewusstseins zu stellen, war es kaum möglich, irgendetwas über das Verhältnis zwischen Geist und Gehirn zu lesen, ohne auf Chalmers Namen zu stoßen.
Das "schwierige Problem", wie Chalmers es definiert, ist "die Frage, wie aus den physischen Prozessen im Gehirn die subjektive Erfahrung entsteht". Dies unterscheidet sich von den "leichten Problemen" des Bewusstseins, welche das Verstehen von solchen Vorgängen beinhaltet wie die neuronalen Mechanismen hinter unserer Wahrnehmung, wie Aufmerksamkeit funktioniert oder was der Unterschied zwischen Wachen und Schlafen ist. Die Essenz von Chalmers Herausforderung, welche scheinbar von nahezu jedem auf diesem Gebiet ernst genommen wurde, ist, dass uns die Fortschritte bei den "leichten Problemen", so wertvoll diese Aufgabe auch sein mag, nicht notwendigerweise näher an die Lösung des schwierigen Problems heranbringen. Und wo ein wissenschaftliches Verständnis des Bewusstseins gefragt ist, ist das schwierige Problem das Problem.
Wer ein wenig Philosophie an der Hochschule studiert hatte, erkennt in Chalmers schwierigem Problem eine Neuformulierung des klassischen "Geist/Körper-Problems", das Schopenhauer "den Weltknoten" nannte und worüber sich die Philosophen in den vergangenen Jahrhunderten gestritten haben. Seit René Descartes dem Dualismus zur Geburt verhalf, indem er Körper und Geist trennte, ist das große Thema in der Philosophie des Geistes, zu ergründen, wie diese beiden verschiedenen Substanzen – das Geistige und das Physische – miteinander interagieren können. Einerseits, wie soll ein objektives physisches Gehirn subjektive geistige Abläufe entstehen lassen können? Anderseits, wie sollen diese subjektiven geistigen Abläufe – vermutlich nicht durch physikalische Gesetze gelenkt – die objektive physische Welt beeinflussen können?
Die Eröffnungssitzung titelte "Neuronale Korrelationen des Bewusstseins", und das war auch das Thema der gesamten Tagung – NCCs [Neural Correlates of Consciousness], wie sie dann genannt wurden. Nach ein paar Willkommensworten von Chalmers wandten wir uns direkt unserer Diskussionsrunde mit drei Rednern zu, die das ansprachen, was für viele als die Leitgedanken des neurobiologischen Ansatzes zum Bewusstsein gilt. Der erste Redner war passenderweise Christof Koch, dessen Arbeit über Sehen und Bewusstsein ihn, zusammen mit Francis Crick, zu einem der Stars der neurowissenschaftlichen Welt gemacht hatte. Mit einem Vortragsstil, der vermuten ließ, dass er alle Warnungen, hohe Dosen Koffein nicht mit Amphetaminen zu mischen, missachtet hatte, fuhr Koch fort, den Unterrichtsstoff für ein ganzes Semester in seinen dreißigminütigen Vortrag zu packen. Ich muss gestehen, dass ich nicht ein Wort davon verstand, aber nachdem ich mich auf die nächsten beiden Diskussionsteilnehmer so stark wie möglich konzentriert und der darauf folgenden oft hitzigen Debatte zugehört hatte, war ich in der Lage, die groben Züge der Theorie zusammenzufügen.
Was Koch und andere Neurobiologen auf den Spuren von NCC aufzudecken versuchen, ist eben, wie sich das Gehirn auf neuronaler Ebene unterschiedlich verhält, wenn wir etwas bewusst wahrnehmen, im Gegensatz dazu, wie es sich verhält, wenn wir dasselbe Objekt unbewusst wahrnehmen. Für die meisten klingt die Feststellung, dass wir überhaupt etwas unbewusst wahrnehmen können, wie ein Widerspruch in sich. Um das zu illustrieren, bezieht sich Koch auf ein seltsames, ziemlich unerwartet unlogisches, bekannt als "binokulare Rivalität".
Eine einfache Erklärung würde etwa folgendermaßen lauten: Obwohl die meisten von uns denken, wir sähen durch unsere Augen auf die Welt, ist das Wesen des Sehens in keiner Weise so, wie wir es erleben. Was eigentlich passiert, ist, dass zwei verschiedene seitenverkehrte zweidimensionale Bilder nach hinten auf die Retinazellen Ihrer beiden Augen fallen, von wo aus sie an etwa dreißig verschiedene visuelle Zentren in Ihrem Gehirn zur Verarbeitung gesandt werden, dessen Resultat dann mysteriöserweise das vereinte dreidimensionale Bild der Welt ist, das Sie sehen. Wie das geschieht, ist ein Beispiel für das, was als "das Bindungsproblem" bekannt und für sich allein schon ein Mysterium ist, das bis jetzt niemand überzeugend gelöst hat. Im Moment aber ist es wichtig zu wissen, dass jedes Ihrer Augen einen anderen Teil des Bildes sieht und Ihr Gehirn es zu einem vereinten Ganzen zusammenfügt.
Was aber passiert, wenn wir Ihre Augen voneinander trennen und jedem buchstäblich ein anderes Bild zeigen? Sehen Sie dann zwei Dinge gleichzeitig? Nein. Das ist der Punkt, an dem die binokulare Rivalität ins Spiel kommt. Wie es sich darstellt, kann Ihr Gehirn bewusst immer nur ein vollständiges Bild darstellen. Wenn ihm also zwei konkurrierende Stimuli gegeben werden, muss es sich irgendwie aussuchen, welches es darstellen will. Manchmal fixiert es sich auf ein Bild und ignoriert das andere. Oder, mit der richtigen Sequenz der Bilder, kann es zwischen beiden hin und her springen. Bezüglich des Bewusstseins liegt hier der Schlüssel darin, dass, ungeachtet dessen, welches Bild zu einer bestimmten Zeit im Bewusstsein ist, der Input in die visuellen Zentren des Gehirns identisch ist. Der Grund, warum dies für Koch und seine Mitstreiter so faszinierend ist, ist der, dass sie mittels fotografischer Methoden (CT, MR) Aufnahmen des Gehirns vergleichen können, die gemacht werden, wenn eine bestimmte Wahrnehmung bewusst und wenn sie nicht bewusst ist. Dies wird ihnen, so hoffen sie, letztendlich Hinweise dafür geben, zu verstehen, wie die neuronale Aktivität mit dem Bewusstsein korreliert.
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