Fortsetzung von „Das Bewusstsein - Nur Funke der Neuronen?”

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Wenn Sie sich bei dieser Beschreibung fragen, wie diese Art der Forschung uns helfen kann, Bewusstsein zu verstehen, dann haben Sie vielleicht schon ein Gefühl dafür bekommen, wovon David Chalmers sprach, als er zwischen dem "schwierigen Problem" und den "leichten Problemen" des Bewusstseins unterschied. Denn nach Chalmers Definition befasst sich Kochs Arbeit, und die der anderen Diskussionsteilnehmer, ausnahmslos mit einem der leichten Probleme. Egal wie deutlich die Momentaufnahme ist, die wir davon bekommen können, welche Art der neuronalen Aktivität mit welchen bewussten Wahrnehmungen korreliert, wir werden deswegen dem Verständnis, wie das Gehirn überhaupt so etwas wie eine bewusste Erfahrung produzieren kann, keinen Deut näher kommen. Der Philosoph John Searle schrieb in einer kürzlich erschienenen Besprechung über Kochs jüngstes Buch The Quest for Consciousness (dt. Titel in Vorbereitung: Bewusstsein): "Die Subjekte, an denen diese Experimente ausgeführt werden, sind bereits bewusst ... Was wir also vernünftigerweise von dieser Forschung höchstens erwarten können, ist eine Erklärung darüber, wie wir in einem Gehirn, das bereits bewusst ist, diese oder jene wahrnehmende Erfahrung auslösen können ... Aus meiner Sicht werden wir das Bewusstsein so lange nicht verstehen, bis wir verstehen, wie das Gehirn das bewusste Feld ursprünglich kreiert."

In der Frage- und Antwortphase, die auf die Präsentation von Koch & Co. folgte, reichten die Fragen von experimentellen Verfahren über die Quantenphysik bis hin zum Paranormalen. Eine Frau fragte Koch, wie in seinem "neurobiologischen Rahmen für das Bewusstsein" die Nahtoderfahrungen erklärbar wären, denen zufolge die Patienten über Ereignisse berichten könnten, die geschahen, als ihr Gehirn nicht arbeitete. Kochs knappe Antwort war: "Wenn sie eine Erfahrung haben, dann muss es neurale Korrelationen geben. Ich müsste dafür eine Doppelblindstudie sehen." Während ich darüber nachdachte, wie man es anstellen würde, Freiwillige für eine solche Studie auszusuchen, bahnte ich mir einen Weg zur Bühne, um mich bei Chalmers vorzustellen. Er war von der Organisation der Tagung völlig vereinnahmt, nahm sich aber Zeit für eine kurze Unterhaltung – bis er meinen Namen mit dem Magazin in Verbindung brachte, das ich ihm vor der Konferenz geschickt hatte. Anscheinend ordnete er mich eher am äußeren Rand des Spektrums ein und fragte mich: "Was halten Sie davon, das Forum über nichtlokale und paranormale Effekte zu moderieren? Die Person, die wir dafür vorgesehen hatten, ist nicht erschienen."

Immer bereit für einen kleinen Auftritt auf der Bühne lächelte ich: "Sicher, wann ist das?"

"Es beginnt in zehn Minuten."

"Muss ich irgendetwas wissen? Ich bin eigentlich kein Experte im Paranormalen."

"Nein, das geht in Ordnung. Gehen Sie nur rechtzeitig dorthin, um vorher mit den Diskussionsteilnehmern zu sprechen."

Lasst tausend Blumen blühen

Verglichen mit der Eröffnungssitzung in dem großen Zuhörersaal, mutete der kleinere Saal mit etwa hundertfünfzig Sitzplätzen fast gemütlich an. Als ich mich endlich in dem Gewirr von Fluren und Gängen zurechtgefunden hatte, waren auch alle Diskussionsteilnehmer dort eingetroffen, ebenso der größte Teil der Zuhörer. Außer Atem machte ich die schnellsten vier Interviews meines Lebens, dachte mir ein paar lustige Bemerkungen über Materialismus für meine Einleitung aus und bemühte mich dann, für die Sitzung ein wenig Kontext vorzugeben.

Der erste Diskussionsteilnehmer war ein prominenter Para- oder Psi-Forscher namens Gary Schwartz, dessen Buch The Afterlife Experiments über eine Serie von Experimenten mit geistigen Medien berichtet und suggeriert, dass, was auch immer Bewusstsein ist, es in der Lage zu sein scheint, den physischen Tod zu überleben. Schwartz, der das Human Energy Systems Lab (Experimentallabor für die Energiesysteme des Menschen) an der Universität von Arizona leitet, hielt einen kompakten Vortrag, in dem er den eindrucksvollen Umfang seiner Forschungen zusammenfasste und seine Frustration über die gängige materialistische Wissenschaftskultur zum Ausdruck brachte und deren Unwillen, auch nur in Betracht zu ziehen, was diese Forschungen für unser Verständnis von Bewusstsein bedeuten könnten. Ihm folgte Katherine Creath, eine weitere Forscherin vom UA PSI Lab, die Beweise für intentionale Fernheilung vorlegte – von Pflanzen. Bei Anwendung biophotoner Bildtechnologie fand Creath heraus, dass "Energie-Heiler" dreier verschiedener Disziplinen im Stande waren, die Biophotonen-Emissionen (ein Zeichen von Gesundheit) in verletzten Pflanzen wesentlich zu steigern, und zwar ganz einfach, indem sie diese mit der Absicht zu heilen "behandelten". Nachdem mein Witz, nie mehr Salat essen zu wollen, nicht die erwarteten Lacher gebracht hatte, wandten wir uns rasch einem Vortrag über das Sehen über weite Entfernungen zu, der von einem jungen Studenten aus Florida gehalten wurde, und der Forschungspräsentation eines deutschen Wissenschaftlers, die zeigte, dass wir das Nervensystem anderer, bewusst "durch Willen" in einen Ruhezustand versetzen können, und das sogar über beachtliche Entfernungen.

Nach dem Materialismus der einleitenden Vollversammlung empfand ich es wie eine Erholungspause, etwas Zeit damit zu verbringen, über die Mysterien des Bewusstseins jenseits des Gehirns nachzudenken. Betrachtet man den eindeutig neurowissenschaftlichen Einschlag der Konferenz, fand ich es erstaunlich, dass es dort eine Veranstaltung gab, die inhaltlich so weit entfernt von dieser Hauptrichtung lag. In der Tat überraschte mich in den folgenden Tagen die Entdeckung, dass es zusätzlich zu der Fülle an Veranstaltungen, die der Komplexität des Gehirns gewidmet waren, auch eine große Anzahl verschiedener Präsentationen von Themen gab, die im Allgemeinen als "grenzwissenschaftlich" angesehen würden. Ein gut besuchter Vortrag untersuchte den gegenwärtigen Stand der Forschung über "Meditation und Bewusstsein". Ein weiterer mit dem Titel "Kunst und Bewusstsein", beinhaltete eine Rede über die Beziehung zwischen höheren Bewusstseinszuständen und "visionärer Kunst". Stephen LaBerge von der Stanford University gab einen Workshop über luzides Träumen. Eine der Diskussionsrunden war sogar der Forschung über die Auswirkungen psychodelischer Drogen gewidmet.

Vielleicht nicht ganz so abwegig, aber nicht weniger außergewöhnlich, waren mehrere Präsentationen der Gruppe "Künstliche Intelligenz" über die Möglichkeit, bewusste Roboter zu bauen, und eine überraschende Anzahl von Gruppen und Dokumenten über Modelle, welche die Quantenphysik einbeziehen, um die Beziehung zwischen Bewusstsein und Gehirn zu erklären. Bei einem Mittagessen in einem nahe gelegenen mexikanischen Restaurant fragte ich Chalmers, wie eine ernsthafte akademische Tagung so offen für ein breites Spektrum von Denkansätzen bleiben konnte. "Es gibt so viel, was wir nicht verstehen, sodass wir immer die Betrachtungsweise hatten, ‚tausend Blumen blühen zu lassen'. Hier ist für jeden Platz, eben aus dem Grund, dass wir nicht wissen, woher die Antworten kommen werden."

Doch ungeachtet der Offenheit des Organisationskomitees dafür, alternatives Denken einzubeziehen, war es dennoch klar, welches Lager am meisten an Boden gewinnen würde. Auch wenn in Tucson in diesem Frühling tausend Blumen geblüht haben, gab es doch wenig Zweifel, wo die große Mehrheit verwurzelt war: im Materialismus und seinem glühenden Bestreben, alle menschlichen Erfahrungen auf die Arbeit des Gehirns zu reduzieren.

In der Tat, obwohl ich nach Tucson in dem vollen Bewusstsein des materialistischen Fokus der Tagung gekommen war, stellten sich die weiteren Auswirkungen, was es tatsächlich bedeuten würde, die neurobiologische Grundlage des Bewusstseins aufzuzeigen, erst im Laufe der Woche heraus. Es ist, gelinde gesagt, ein beunruhigendes Bild. Wenn das Bewusstsein tatsächlich vom Gehirn erzeugt wird, ist an der Wirklichkeit, wie sie der gesunde Menschenverstand erfasst, nur sehr wenig wahr. Im Laufe der Woche lernte ich einige wichtige Dinge:

1. Freier Wille ist eine Illusion;

2. ebenso das Ich oder Selbst;

3. das Bewusstsein gewissermaßen ebenso, oder zumindest tut es nichts;

4. sogar wenn wir entdeckten, dass wir in der "Matrix" leben, sollten wir so handeln, als ob sie die Wirklichkeit wäre und uns keine Sorgen machen.
Mit anderen Worten: Neo nahm die falsche Pille.

Ich war in die Tiefe gesprungen und am Ende der Tagung war ich mehr oder weniger konfus. Teilweise war meine Verwirrtheit begrifflicher Natur. Als Laie zu versuchen, bei professionellen Debatten über die Feinheiten der Gehirnforschung zuzuhören, über künstliche Intelligenz und die Philosophie des Geistes, ist nicht unbedingt der leichteste Einstieg in das Gebiet. Ich habe häufig die Person neben mir gebeten, mir das, was gerade gesagt wurde, "auf Englisch" zu übersetzen. Aber ich glaube, dass der eigentliche Grund meiner Verwirrtheit auf der menschlichen Ebene lag. Wenn Ihnen jemand in die Augen schaut und Ihnen ruhig sagt, dass Sie "nichts weiter als ein Komplex von Algorithmen" sind – oder schlimmer, dass Sie "keine bewusste Kontrolle über Ihre Handlungen haben" – bringt Sie das dazu, den Raum nach Sicherheitsleuten abzusuchen. Immer wieder im Laufe jener Woche dachte ich darüber nach, wie es wohl kam, dass so viele Menschen von Ideen überzeugt sind, die so sehr im Gegensatz zu unserer grundlegendsten Erfahrung sind, am Leben zu sein. Bei all den Gesprächen über künstliche Intelligenz begann ich insgeheim zu argwöhnen, die Redner wären alle hoch entwickelte Roboter, die darauf programmiert sind zu versuchen, uns zu überzeugen, dass wir ebenfalls welche wären. Ich verließ die Tagung mit noch größerer Entschlossenheit, die Wurzeln dieses seltsamen Dilemmas verstehen zu wollen. Aber ich wusste: Vorher musste ich herausfinden, warum die Wissenschaftler so sicher sind, dass wir nichts weiter als unser Gehirn sind.


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