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„Kann es tatsächlich sein, dass Carina schon einmal als Mike gelebt hat?“ Vor solchen Fragen sah sich das deutsche Fernsehpublikum Ende letzten Jahres gestellt, als VOX die 6-teilige Reinkarnations- Reality-Serie „Wer war ich?“ ausstrahlte. Ausgehend von Rückfüh- rungssitzungen begibt sich die Reinkarnationstherapeutin Doreen Büchner mit den Wiedergeborenen an den Ort ihres vermeintlich früheren Lebens – mit verblüffenden Ergebnissen. Und einer großen Resonanz, die Büchner zur diesjährigen Gründung des „German Institute for Past-Life-Research & Therapies“ veranlasste, mit der sie ein Forum für Rückführungstherapeuten, Reinkarnationsforscher und Interessierte schaffen möchte.
Angesagt in der Therapie der Vergangenheit ist mittlerweile auch eine Mixtur von Rückführung und dem Familienstellen nach Bert Hellinger zur offensiven Lösung von hartnäckigen Verstrickungen.
Wissenschaftliche Untersuchungen unerwünscht Eine wissenschaftlich fundierte Untersuchung der Phänomene rund um das Geheimnis wiederkehrender Seelen scheint bisher aber vor allem Einzelkämpfern überlassen. Dieter Hassler versucht mit seiner „Aktionsgruppe Reinkarnationsforschung“, objektiv fundierte For- schung in Deutschland zu betreiben, die sich an den Methoden des Reinkarnationsforschers Ian Stevenson orientiert. Dieser befasst sich vor allem mit den Erinnerungen von Kindern an frühere Leben. Sein Buch Reinkarnation in Europa ist kürzlich auf Deutsch erschienen und schildert solche Fälle vom europäischen Kontinent. Hassler aber stößt mit seinen Forschungen auf zweierlei Widerstand: das Desin- teresse der New Age-Inkarnierten auf wissenschaftliche Überprüf- barkeit und die Ablehnung der Wissenschaft gegenüber einem Phänomen, das nicht sein darf.
Rudolf Steiner, einer der größten deutschsprachigen Verfechter der Seelenwanderung, versuchte schon zu Beginn des letzten Jahr- hunderts, dieses Dilemma durch seine Geisteswissenschaft zu lösen. In seiner Tradition forscht der Philosoph Alexander Höhne im „Basler Institut für Karmaforschung“. Ebenfalls in Basel begann schon im Jahre 2000 der Psi-Spezialist Harald Wiesendanger eine fortlaufende Studie mit dem Titel „Reinkarnation: Erfahrungen und Einstellungen im deutschsprachigen Raum“.
Michael Schröter-Kunhardt: Pionier der Nahtodesforschung Mit der Frage, ob etwas in uns den physischen Tod überlebt, beschäftigt sich auch die Erforschung von Nahtoderlebnissen. Der Pionier dieser Forschung in Deutschland, der Arzt, Neurologe und Psychiater Michael Schröter-Kunhardt, hat im Jahre 2004 das „Netzwerk Nahtoderfahrung“ als deutsche Sektion der „International Association for Near-Death Studies“ gegründet. Mit Vorträgen und Gesprächskreisen im ganzen Land wird hier versucht, diesem Phäno- men und seiner Bedeutung mit wissenschaftlicher Methodik auf den Grund zu gehen.
In der turbulenten Szene der Nahtod-Erfahrenen und Reinkarnierten gibt es allerdings auch haarsträubende Auswüchse. So behauptet zum Beispiel Trutz Hardo, einer der Vorreiter der Reinkarnations- therapie hierzulande, dass sich viele Menschen zur Zeit des Holo- caust freiwillig als Juden inkarnierten, um „karmischen Ausgleich“ zu bewirken.
Wohin bewegt sich die Reinkarnationsidee in Deutschland? Zwischen Interesse, Ablehnung und naiver, manchmal gefährlicher Vereinfachung scheint sich die Reinkarnationsidee in Deutschland zu bewegen. Wohin, ist kaum vorauszusagen. Möglicherweise erst einmal zu neuen Folgen von „Wer war ich?“. Und einem wachsenden Interesse an einem Phänomen, das in unserem aufgeklärten Land in der Öffentlichkeit bisher kaum diskutiert wird. Eine Ausnahme davon ist unser „Fußball-Kaiser“ Franz Beckenbauer: „Der Glaube an die Wiedergeburt hilft mir … In irgendeiner Form werden wir weiterleben. Glauben darfst, beweisen kannst das ja nicht.“ Oder vielleicht doch?
© 2006: What is Enlightenment?
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