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Dr. Andreas Zeuch über Intuition und Nichtwissen im Management.
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Ein Fall von Nichtwissen (6): Kostenexplosion bei der Elbphilharmonie

03. Februar 2010 Von: blog-zeuch Kategorie: , Nichtwissen | add to mister wong

Liebe Leserin, lieber Leser!

Eine nicht enden wollende Geschichte ist die Kostenexplosion bei Groß- und Infrastrukturprojekten. Es ist ein wirklich herzerfrischender Hinweis auf die Unvollkommenheit von Planungsprozessen und Informationspolitik. Mal vorsichtig formuliert, konservativ, sozusagen. Denn würde Planung funktionieren, dürften ja nicht allerorten die Kosten und die Bauzeiten aus dem Ruder laufen. Tun sie aber. Ein aktuelles Beispiel ist die Elbphilharmonie in Hamburg.

Die offizielle Präsentation lautet wie folgt: “Hamburg erhält mit der Elbphilharmonie ein neues imposantes Konzerthaus, das einen der besten Konzertsäle der Welt beheimaten soll. Klassische Musik, aber auch Jazz-, Welt- und Popmusik bekommen einen herausragenden Aufführungsort. Die Elbphilharmonie wird ein neues Wahrzeichen für die Stadt und gleichzeitig ein Haus für alle sein. Der neue Gebäudekomplex wird drei Konzertsäle, ein Hotel mit Konferenzbereich, Wohnungen, eine Plaza auf 37 Metern Höhe und im Kaispeicher zahlreiche Parkplätze enthalten. Er entsteht nach Entwürfen der renommierten Schweizer Architekten Herzog & de Meuron.” (Quelle: http://elbphilharmonie-bau.de/index_html.php?typ=artikel&id=52)

Simulation der Elbphilharmonie

Simulation der Elbphilharmonie

Die Kosten waren Anfangs auf 186 Millionen Euro geplant. Was allerdings - wie so oft bei derartigen Projekten, oder eigentlich eher: meistens - ein ziemlicher Irrtum war. Es werden nämlich voraussichtlich 500 Millionen Euro. Selbst wenn der Spaß Hamburg am Ende “nur” 400 Millionen kosten wird, so handelt es sich doch nicht gerade um eine Bagatelle. Deshalb fordert die SPD nun auch einen “Elbphilharmonie-Untersuchungsausschuss“. Denn selbstredend versagte die Planung nicht nur bei der Kostenkalkulation, sondern auch bei der Terminierung. Die Kultursenatorin Karin von Welck verkündete 2008 noch optimistisch: „Das ist alles nicht schön, aber jetzt haben wir endlich größtmögliche Kosten- und Terminsicherheit.“ (Bild online, 26.11.2008) Dumm nur, dass der angeblich sichere Termin schon mal geplatzt ist. Der Bau sollte am 30.11.2011 übergeben werden. Das nächste Datum lautete auf Mai 2012 - was jedoch auch schon wieder in Frage gestellt ist.

Natürlich läuft bereits die erbitterte Schlacht um die Schuldfrage: “Das Büro Herzog & de Meuron teilte mit, sie hätten die Pläne pünktlich geliefert. (Meldung vom 22.01.2010)” - “Elbphilharmonie-Streit: GAL nennt Hochtief “Heuschrecke”. Laut NDR 90,3 will der Baukonzern Hochtief nun selbst an die Öffentlichkeit gehen. (Meldung vom 26.01.2010)” - “Elbphilharmonie-Streit: Hochtief geht in die Offensive. Nach Angaben des Baukonzerns verzögert sich die Fertigstellung vor allem wegen der Komplexität des Baus des großen Saals. (Meldung vom 28.01.2010)”

Nun gut, könnten Sie sagen. Ist halt eine traurige Ausnahme. Weit gefehlt. Die planerische Wirklichkeit von derartigen Projekten kennt ein Mann besonders gut: Bent Flyvbjerg. Er ist Professor für Planungswesen an der Universität Aalborg in Dänemark und für Infrastrukturpolitik und Planungswesen an der Technischen Universität Delft in Holland. Bislang hat er 258 Projekte erforscht. Das traurige Ergebnis: Bei 90 Prozent aller Infrastruktur- und Großprojekte kommt es zu einer Kostenexplosion! Als hauptsächlichen Grund führt Flyvbjerg eine “Kultur der Fehlinformation” an. Mehr dazu finden Sie in meinem neuen Buch “Feel it! Soviel Intuition verträgt Ihr Unternehmen.” (ab Mitte/Ende Mai im Buchhandel).

Weiterführende Links

Homepage des Planungsdesasters

Wikipedia-Eintrag zur Elbphilharmonie

Ein Fall von Intuition (2): Die Lunge Laufschuhmanufaktur - Intuitiv erfolgreich gegen Scheinregeln

26. Januar 2010 Von: blog-zeuch Kategorie: | add to mister wong

Liebe Leserin, lieber Leser!

Kennen Sie Adidas? Und den großen deutschen Konkurrenten Puma? Klar. Beides sind deutsche Marken. Und wo produzieren diese Marken Ihre Laufschuhe? Das Übliche: In Fernost. Ist schließlich billiger und die Marge damit höher. Es ist eine unternehmerische Regel, dass wir im Hochlohnland Deutschland keine hochwertigen Laufschuhe produzieren können, weil hier die Löhne, Lohnnebenkosten und Produktionskosten viel zu hoch sind. Einfach unmöglich! Wirklich?

Weit gefehlt. Regeln sind dafür da, im richtigen Moment gebrochen zu werden. Und genau das haben zwei findige und erfolgreiche Unternehmer getan: Die Brüder Ulf und Lars Lunge. 1979 eröffneten sie Ihren ersten Lunge Laufladen in Hamburg und sind damit seit über 30 Jahren im Geschäft. Seit dem kamen 5 weitere Filialen in der Hansestadt und in Berlin dazu. Als Verkäufer von Sportartikeln im Bereich Laufen haben sie eine fundierte Expertise aufgebaut. Im Jahr 2005 entschieden sie sich jedoch, etwas völlig Neues auszuprobieren. Etwas, was alle für unmöglich gehalten haben: hochwertige technische Laufschuhe im Hochlohnland Deutschland zu produzieren.

Sie fanden einen wirklich schönen und attraktiven Standort. Rund 90 Kilometer östlich von Hamburg liegt ein ehemaliger Kuhstall im kleinen Ort Düssin. Mittlerweile ist das Gebäude deutlich renoviert und beherrbergt die Produktion der ersten Schuhmodelle C-Dur, A-Moll und Adagio.

Der Produktionsstandort der Lunge Laufschuhmanufaktur in Düssin

Der Produktionsstandort der Lunge Laufschuhmanufaktur in Düssin

Eben hatte ich mit Ulf Lunge kurz telefoniert und er berichtete mir, dass die Arbeit schneller wächst, als sie neue Mitarbeiter einstellen können. Die Laufschuhe haben Begeisterung bei vielen Läufern geweckt und verkaufen sich problemlos trotz des deutlich über der Konkurrenz liegenden Preises von rund 200,- €. Qualität hat Ihren Preis. Keine Frage. Und die Qualität der Lunge Laufschuhe setzt einen neuen Maßstab.

Schaftarbeit ist bei Lunge Handarbeit

Schaftarbeit ist bei Lunge Handarbeit

Auf der Entdeckungsreise ins Neuland der Lunge Laufschuhmanufaktur spielte Intuition für die beiden Brüder eine wichtige Rolle: „Intuition ist das A und O, wenn Entscheidungen getroffen werden müssen.“ Ulf Lunge vertritt die Meinung, dass Intuition eben nicht alleine von Erfahrung abhängt: „Ich muss Intuition nicht durch jahrelange Erfahrung entwickeln. Es hängt vielmehr damit zusammen, wie meine Einstellung dabei ist. Ich kenne viele Leute, die schon seit 30 oder 40 Jahren mit derselben Sache beschäftigt sind, aber diese Intuition nicht erworben haben.

Also liegt es nicht daran, wie lange man etwas macht, sondern wie und wie lange. Die Frage war: Trauen wir uns zu, eine bessere Qualität zu bauen zu verkaufbaren Mehrkosten? Die Antwort hängt dabei mehr von den Prämissen der Frage ab, als vom Fachwissen zum Schuhbau. Was heißt besser und was ist verkaufbar? Unsere Intuition sagte uns von Anfang an: Die Qualität ist deutlich besser, der Nutzen für den Läufer signifikant höher, da werden 50% Mehrpreis schon zu verkaufen sein.“

Die unternehmerische Intuition war offensichtlich eine gute Navigationshilfe bei der unsicheren Reise ins Neuland der Laufschuhherstellung in Deutschland.

Der fertige Laufschuh C-Dur

Der fertige Laufschuh C-Dur

Ihnen allen eine schöne Woche und herzliche Grüße

Andreas Zeuch

Links

Ein weiterer Fall von Intuition: Der intuitive Erfolg im Schindlerhof

Mehr über die unternehmerische Intuition von Ulf und Lars Lunge in meinem neuen Buch “Feel it! Soviel Intuition verträgt Ihr Unternehmen”.

Offizielles Info-Booklet (PDF, 480KB)

Ein Fall von Nichtwissen (5): Banalität kosten Millionen

19. Januar 2010 Von: blog-zeuch Kategorie: , Nichtwissen | add to mister wong

Liebe Leserin, lieber Leser!

Zur Abwechslung hatten wir im Dezember 2009 und im Januar 2010 mal wieder einen halbwegs stilechten Winter. Und der hat dann gleich zu Unplanmäßigkeiten geführt, die doch irgendwie erstaunlich sind.

1994 wurde der Eurotunnel zwischen Frankreich und Großbritannien fertiggestellt. Endlich war es möglich, den Kanal nicht nur per Fähre oder Flugzeug zu überqueren, sondern mit einem Zug zu unterqueren. Dazu wurde eigens der “Eurostar” als Hochgeschwindigkeitszug konzipiert und produziert. Die Querung, die per Fähre mehrere Stunden in Anspruch nimmt, war plötzlich in nicht einmal 40 Minuten möglich.

Der Eurostar, nicht immer so zügig unterwegs...

Der Eurostar, nicht immer so zügig unterwegs...

Kurz vor Weihnachten 2009 kam es dann zu einer Kette von Totalausfällen, indem mehrere Züge im Tunnel stecken blieben. Rund 2000 Fahrgäste hatten das zweifelhafte Vergnügen, im Tunnel unter dem Kanal stundenlang warten zu müssen, ohne auch nur näherungsweise informiert zu werden (auch eine interessante Art, Kunden gegenüber Nichtwissen aktiv zu erzeugen und deren Ärger effektiv zu steigern…). Insgesamt, so ein Unternehmenssprecher, seien an drei Tagen über 100.000 Fahrgäste von den Ausfällen betroffen gewesen.

Aburderweise wurde das Malheur auch noch zur Staatsaffaire. Sarkozy zitierte Guillaume Pépy, den Chef der französischen Bahn SNCF und gleichzeitigen Chariman von Eurostar, zu sich und forderte, dass der Verkehr bis zum 21.12.2009 wieder aufgenommen wird. Dumm bloß, dass da noch niemand wusste, wie es zu dieser peinlichen Pannenserie kam, weder Eurostar noch der Alstom-Konzern, der die Eurostarzüge hergestellt hatte.

Um diese außerordentlich unangenehmen Situation endlich in den Griff zu bekommen, wurde schließlich experimentiert. Von Sonntag, dem 20.12. bis zum Montag den 21.12., wurden leere Züge in den Tunnel geschickt, um zu testen, was eigentlich passiert. Denn die Züge hatten schon Winter zuvor erlebt, in denen alles nach Plan verlief. Plötzlich aber, im Winter 2009/2010, sollen die “enormen Temperaturunterschiede” zwischen den Außen- und den Innentemperaturen der Tunnelröhren sowie Pulverschnee das Problem gewesen sein. Letzterer sei durch die Lüftungsschlitze in die Züge eingedrungen und habe Kurzschlüsse verursacht.

Eine interessante Theorie, die allerdings schnell ihre Grenzen offenbarte. Am 07. Januar 2010 berichtete die FAZ über ein erneutes Steckenbleiben eines Zuges und schreibt: “Eurostar-Sprecher Smets versicherte, dass dieses Problem (der Pulverschnee, AZ) inzwischen gelöst sei. „Wir wissen nicht, was die Ursache heute war.” (FAZ, Wieder steckt ein Eurostar-Zug fest. Artikel vom 07.01.2010). Ebenfalls am 07. Januar berichten die ZDF Nachrichten “heute”, dass “aus bislang unbekannten Gründen das belgische statt des britischen Signals angegangen” seien. “Dies hätte einen automatischen Stopp des Zuges ausgelöst.” Kontrolle und Wissen sieht anders aus.

Die Kosten der Pannenserie beziffern sich auf rund 11,3 Millionen Euro. Und natürlich ist ein Streit entbrannt über die wahren Ursachen und den somit Schuldigen. Das Ganze, weil es einen Winter über mal ab und an richtig kalt war, womit man eigentlich rechnen sollte. Eurostar zeigt sich trotzdem wenig bescheiden. Auf der Unternehmens-Homepage findet sich der “Eurostar TipPlanner”, der vollmundig verlautet: “Planen Sie Ihren perfekten Reiseprogrammablauf”.

Weiterführende Links

Die Welt: “Sarkozy macht Eurostar-Pannen zur Staatsaffaire“, 21.12.2009

FAZ: “Wieder steckt ein Eurostar-Zug fest.“, 07.01.2010

tagesschau: “Eurostar-Betreiber zahlt elf Millionen Euro Entschädigung“, 18.01.2010

Und wir wissen doch…

11. Januar 2010 Von: blog-zeuch Kategorie: | add to mister wong

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Eine der wichtigsten gesellschaftspolitischen Fragen besteht darin, warum wir in die Informationen aus dem Fernsehen, Radio, den Printmedien und dem Internet vertrauen sollten? Woher wissen wir, dass die Meinung, die wir uns gebildet haben, tatsächlich unsere ist? Und wie stellen wir sicher, dass auch die Stimmen der Schwachen gehört werden?

Die Antwort ist klar und deutlich. Ihr findet sie in folgendem Video (je nach Bandbreite dauert der Ladevorgang etwas - aber ich verspreche: es lohnt!):

Video in Großformat anschauen.

Herzliche Grüße ;-)

Andreas Zeuch
PS.: Wer noch nicht teilgenommen hat - weiter runter scrollen, dort gibts die erste Intuitions-Blitzumfrage.

Intuitions-Blitzumfrage 1

06. Januar 2010 Von: blog-zeuch Kategorie: Intuition | add to mister wong

Liebe Leserinnen und Leser!

Ihnen und Euch allen ein tolles neues Jahr 2010! Ich wünsche Euch Gesundheit, beruflichen Erfolg, privates Glück, Zeit zum Träumen und Entspannen und jeden Tag wenigstens einmal etwas zu Lachen!

Ende 2009 stand bei mir ganz unter dem Zeichen meines neuen Buches über Intuition in Unternehmen. Das Manuskript liegt nun im Lektorat meines Verlages und ich bin äußerst gespannt, was meine Lektorin mir zurückmelden wird. Erfreulicherweise gibt es das Buch auch schon in der Vorbestellung bei Amazon. Weitere Informationen gibt es auf meiner Homepage im Bereich “Schriften”.

Das Cover und damit den Titel verrate ich schon mal an dieser Stelle:

Cover meines neuesten Buches

Cover meines neuesten Buches

Jetzt zum Kern dieses Blogartikels: Meiner ersten Blitzumfrage zum Thema Intuition. In Zukunft werden auf diesem Blog immer wieder kleine Miniumfragen laufen. Ich freue mich über Eure Teilnahme und bin gespannt, was sich im Laufe der Wochen, Monate und Jahre an Ergebnissen einstellen wird.

Herzliche Grüße

Andreas Zeuch