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Artikel der Kategorie Mai, 2007

Intuition ist gesund!

Mai 18, 2007 Von: blog-zeuch Kategorie: Intuition 4 Kommentare →

Liebe Leserin, lieber Leser,

heute möchte ich Ihnen eine neue Idee von mir vorstellen: Auf seine Intuitionen zu achten, ist gesünder, als sie (dauerhaft) zu ignorieren. Klingt das gewagt in Ihren Ohren? Oder gar esoterisch? Umso mehr könnte dies ein Grund sein, weiterzulesen.

Diese Idee möchte ich durch zwei Argumente untermauern:

1. Intuitionen sind in einer Legierung mit unseren Emotionen ein grundlegender Bestandteil unseres Menschseins. Und damit sind sie ein wichtiger Bestandteil unserer bio-psycho-sozialen Gesundheit.

2. Gemäß der so genannten „Salutogenese“ (dazu gleich mehr) sind Menschen, die auch tiefen Krisen einen Sinn abgewinnen können, widerstandsfähiger als Menschen, die dazu nicht in der Lage sind. Und Sinn lässt sich meist nur intuitiv erspüren.

Zu 1: Intuitionen sind, wie zu Beginn dieses Weblogs dargestellt, eine grundlegende Eigenschaft von uns Menschen. Dies ist für alle, die sich schon ein wenig mit der Materie beschäftigt haben, nichts Neues. Bereits der bekannte Psychologe C. G. Jung hat das ausführlich in seinem Werk „Psychologische Typen“ dargestellt. Daraus entwickelte sich später unter anderem der in der Personalentwicklung und Personaleinstellung beliebte Typentest „MBTI“ (Myers-Briggs Type Indicator), mit dem unter anderem die intuitiven Eigenschaften von Menschen zuverlässig gemessen werden können.

Carl Gustav Jung

Carl Gustav Jung

Meines Erachtens gibt es mittlerweile keine wissenschaftlich fundierten Argumente gegen diese Annahme. Wenn nun Intuition eine menschliche Grundeigenschaft ist, tun wir gut daran, sie mit entsprechend gebührender Aufmerksamkeit zu behandeln. Da unsere Intuition zudem eng mit unseren Emotionen verknüpft ist, handelt es sich um einen wesentlichen Komplex menschlichen Seins. Sollten wir also unsere Intuition ignorieren, missachten wir demzufolge zwei unserer Grundeigenschaften und reduzieren uns auf andere Aspekte wie Vernunft. Wohin dies führen kann, zeigen verschiedene psychosomatische Erkrankungen, deren Gemeinsamkeit zum Teil darin liegt, dass die Patienten wichtige emotional-intuitive Anteile aus ihrem täglichen Leben ausgeblendet haben.

Zu 2: Der Begriff „Salutogenese“ wurde von Aaron Antonovsky entwickelt: Er erforschte, warum einige ehemalige KZ-Häftlinge mit den Strapazen der Inhaftierung deutlich besser zurecht kamen, als andere. Das Ergebnis seiner Untersuchung wies darauf hin, dass die gesünderen (oder widerstandsfähigeren) der Ex-Insassen ihrer horrenden Situation einen gewissen Sinn abgewinnen konnten, während die anderen untersuchten StudienteilnehmerInnen ihre Situation als vollkommen sinnlos beschrieben. Antonovsky nannte das das „Kohärenzgefühl“. Der wissenschaftlichen Korrektheit halber muss ich sagen, dass seine Ergebnisse nicht unstrittig sind. Nichtsdestotrotz ist die Salutogenese, die Lehre von der Gesundheit, ein immer noch viel versprechender ressourcenorientierter Ansatz, um im Ringen um Gesundheit voran zu kommen.

Sollte die Salutogenese und die Bedeutung von Sinnzuschreibung ein richtiger Ansatz sein, so würde die Intuition eine wichtige Rolle in der Widerstandsfähigkeit und Gesundung von Menschen spielen: Sinn, bzw. in Antonovskys Begriff des „Kohärenzgefühls“, kann nicht rational-logisch aus den äußeren Umständen oder psychischen Zuständen abgeleitet werden. Antonovsky spricht eben deshalb auch vom „Kohärenzgefühl“ und nicht -verstand.

Ich gestehe: Dies ist zunächst nichts weiter als eine mehr oder minder gewagte Spekulation, aber eine, die untersucht werden könnte. Sollte sich diese Idee (bzw. der Ansatz einer Hypothese) als richtig herausstellen, wäre dies natürlich ein wichtiges Argument, für die Bedeutung von Intuition in unserem alltäglichen Leben.

Mit herzlichen Frühlingsgrüßen

Andreas Zeuch

Literaturtipps

Antonovsky, A. (1997): Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit. Hrsg. v. Alexa Franke. Forum für Verhaltenstherapie und psychosoziale Praxis Bd. 36 dgvt-Verlag

Jung, C. G. (1989). Psychologische Typen. Gesammelte Werke Bd. 6. Olten: Walter.

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