Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Als ich 2007 mein Buch “Management von Nichtwissen in Unternehmen” veröffentlichte, hatte ich drei verschiedene Arten von Nichtwissen kategorisiert: fachliches Nichtwissen (klar, oder?), strategisches Nichtwissen (Unternehmenslenker kennen die Zukunft nicht und müsssen doch ihr Unternehmen darauf vorbereiten) und schließlich operatives Nichtwissen: Eben jenes Nichtwissen über Mitarbeiter, Kollegen, Chefs, Kunden oder Geschäftspartner, sobald sie nicht mehr beobachtbar sind; und natürlich: das über deren Gedanken, denn die kann keiner lesen.
Damals dachte ich beim operativen Nichtwissen naiverweise nicht an den Kontrollwahn manch einer Geschäftsführung oder manch eines Chefs. Heute weiß ich es besser: Es sind nicht nur die zur Genüge bekannten Unternehmen wie Lidl oder Schlecker, die proaktiv für ein besonders abstoßendes Image kämpfen; nein, es gibt noch zahlreiche andere Firmen, die es auch nicht klüger machen.
Und so zeigt sich ein neues und altes Recht: Das auf Nichtwissen. Alle Angestellten einer Firma sollten sich darauf verlassen können, dass sie nicht Teil eines totalitären Systems sind, in dem sie mit Videokameras, Überwachungssoftware oder von denunzierenden Kollegen oder BezirksleiterInnen überwacht werden.
Der Witz an der Sache: Misstrauen zahlt sich nicht aus. Erstens nicht, weil Misstrauen von Vorgesetzten oder gar als wesentlicher Teil einer Unternehmenskultur ökonomisch unsinnig ist. Vertrauen führt zu besserer Arbeitsleistung. Zweitens, weil mit dem stasiartigen, orwellschen Kontrollwahn zudem das Image der Firma beschädigt wird. Drittens, weil es zudem Geld kostet, zu überwachen, statt zu vertrauen – und das, obwohl es sich nicht einmal auszahlt. Wer von der Geschäftsführung dieser Unternehmen hat den Return on Invest der Überwachsungsmaßnahmen eigentlich berechnet?
Wenn sie mehr wissen wollen, schauen Sie doch bei der “Zeit” vorbei. Zu den weiterführenden Infos geht es hier.
Herzliche Grüße
Andreas Zeuch
Nachtrag, 26. Mai 2009: “Ärger in Frankfurt: Auf der heutigen Hauptversammlung der Deutschen Bank kommen brisante Themen zur Sprache. Vor allem sickern Details zur Spitzelaffäre durch. Ähnlich wie bei Bahn und Telekom sind Nachforschungen über das Umfeld von Mitarbeitern angestellt worden, darunter ist laut “Süddeutscher” Vorstand Hermann-Josef Lamberti. Hessens oberste Datenschützerin will einen Bericht, auch die Bafin untersucht.” (Newsletter Handelsblatt Finance Today, 26. Mai 2009)
Die nachweislich auf Misstrauen basierenden Spitzel-Unternehmen: Deutsche Bahn, Deutsche Bank, Deutsche Telekom, Lidl, Schlecker. Wir dürfen gespannt sein, wer noch ein ähnlich jämmerliches Menschenbild mit sich rumträgt. Eine gute Erklärung dafür läge vielleicht hierin: Das Top-Management braucht dieses Misstrauen, um die eigenen Comand-and-Control Strukturen überhaupt zu legitimieren. Wenn man den Mitarbeitern nicht trauen kann, weil sie per se Übeltäter sind, dann muss man natürlich professionell bespitzeln, um das Unternehmen am Leben zu halten.