Warren Buffett über Nichtwissen
Liebe Leserin, lieber Leser!
Heute las ich im Zug im neuesten Spiegel (22/2008) ein Interview mit dem wohl weltweit erfolgreichsten Investor Warren Buffett. Nicht nur sein Vermögen von rund 62 Milliarden Dollar, sondern auch das unglaubliche Wachstum seiner Holding Berkshire Hathaway von 184.228% in 32 Jahren spricht für seine wirtschaftlichen Kenntnisse und sein Gespür für erfolgreiche Investitionen.
Interessanterweise bescheidet sich Buffett gleich in der ersten Antwort: „Nun, ich bin kein Wirtschaftsexperte. Ich könnte kein Geld damit verdienen, den Verlauf der Wirtschaft für ein halbes oder ganzes Jahr vorherzusagen.“ (Spiegel 22/2008, S. 92). Vermutlich ginge es manchen Unternehmen und Ländern besser, wenn die Verantwortlichen ihrerseits nicht glauben würden, solche Voraussagen treffen zu können.

Warren Buffett
Ein paar Absätze weiter entwickelt sich folgende Sequenz zwischen Buffett und den Spiegel-Journalisten über den Derivatehandel:
Buffett: „… Zudem sind solche Konstrukte dermaßen kompliziert, dass sie von kaum jemandem noch verstanden werden.“
Spiegel: „Selbst die Banker blicken nicht mehr durch“
Buffett: „Sie brauten ein Giftgetränk und mussten es am Ende selber trinken.“
Spiegel: „Wie lassen sich solche Finanzinstrumente kontrollieren?“
Buffett: „Das ist das Problem: Sie können so etwas nicht mehr steuern, nicht mehr regulieren. Das hat sich verselbstständigt. Den Geist bekommt man nicht zurück in die Flasche.“ (S. 92)
Dies scheint mir eine eindeutige Absage an zu komplexe Finanzinstrumente und ein klares Votum für nachvollziehbare Mechanismen und Firmenpolitik. Denn Buffett sagt über die Unternehmen, die er kaufen möchte: „Wir suchen große, gut geführte Unternehmen, die wir auf Anhieb verstehen.“ (S. 94).
Buffetts Erfolg ist mehr als nur ein ethisches Argument gegen unverständliche und gierig anmutende Spekulationen und Investitionen, wie Münteferings populistische Formulierung der „Heuschrecken“ (der Vergleich mit Ungeziefer ist übrigens fragwürdig, hat er doch eine traurige Vergangenheit in der Nazi-Zeit – und das von einem Sozialisten…). Buffets Haltung und sein Vorgehen sind vor allem auch wirtschaftlich überzeugend.
Herzliche Grüße
Andreas Zeuch









