Liebe Leserinnen, lieber Leser!
Heute ist mir ein interessantes Paradox aufgefallen: Einerseits überschätzen wir unser explizites Wissen und zwar sowohl unser deklaratives Wissen (also Faktenwissen) als auch unser prozedurales Wissen (Wissen über technische oder natürlich Vorgänge oder Handlungsabläufe). Andererseits unterschätzen wir andauernd unser implizites Wissen und die sich daraus speisende Intuition.
“Wir wissen mehr als wir sagen können.” Dies ist ein sehr bekanntes Bonmot des ungarisch-britischen Chemikers und Philosophen Michael Polanyi (1891 – 1976), der einer der maßgeblichen Denker über unbewusstes Wissen war. Dieses implizite Wissen kann sich ein Mensch auf verschiedene Weisen angeeignet haben. Es kann Erfahrungswissen sein oder es kann unbewusst aufgeschnapptes Wissen sein. Sicher ist: Da ist mehr, als wir wissen.
Andererseits neigen die meisten Menschen dazu, ihr tatsächliches Wissen über komplizierte oder komplexe Zusammenhänge zu überschätzen, wie Frank Keil von der Yale University zeigen konnte. Und Manager kommen nur solange mit ihren falschen Modellen der Realität klar, bis etwas Unvorhergesehenes eintrifft, was wiederum Dietrich Dörner über Computersimulationen demonstrierte. Mehr über darüber in meinem Beitrag “Unser Nichtwissen ist größer, als wir glauben.”
Wir sollten also unsere Selbsteinschätzung etwas korrigieren: Einerseits tut die Bescheidenheit not, einzusehen, dass wir bewusst viel weniger wissen, als wir es gerne hätten. Andererseits sollten wir mehr in unser implizites Wissen und Können vertrauen, die unter anderem der Pool sind, aus dem sich unsere Intuition speist.
Herzliche Grüße
Andreas Zeuch
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