Intuition als Methode? Weit gefehlt!
Liebe Leserinnen und liebe Leser!
Vor kurzem wies mich ein Kollege darauf hin, dass es in Gabals “Großem Methodenkoffer” einen Artikel über Intuition als Arbeitsmethode gäbe. Natürlich kaufte ich mir dieses Buch sofort, um herauszufinden, was der Autor Walter Simon zu sagen hatte. (Simon, W. (2007): Gabals großer Methodenkoffer. Grundlagen der Arbeitsorganisation. Offenbach: Gabal)

Nach ein paar allgemeinen Hinweisen, dass Intuition eine wichtige Ergänzung zu unserem Verstand sei, kam Simon dazu, Intuition tatsächlich als Arbeitsmethodik zu beschreiben. Wie das dann im Detail funktionieren soll, bleibt er dem Leser allerdings schuldig. Darüber hinaus wundere ich mich, Intuition in einen Methodenkoffer aufzunehmen:
Denn nach meinem Begriffsverständnis und auch dem des Duden, Bd. 5, bedeutet Methode „ein auf einem Regelsystem aufbauendes Verfahren, das zur Erlangung von (wissenschaftlichen) Erkenntnissen oder praktischen Ergebnissen dient; 2. planmäßiges Vorgehen.“ (S. 497) Und dieses Verfahren etc. kann man nicht nur beherrschen, sondern man sollte es sogar, wenn man eine besonders gute Arbeitsqualität erreichen will.
Mit anderen Worte: eine Methode kann man (einfach) erlernen, es ist immer eine irgendwie geartete Technologie, die dann – wenn man sie idealerweise fast vollkommen beherrscht – einfach abgerufen werden kann. Sie steht dem Meister der Methode jederzeit zur Verfügung (vielleicht abgesehen von mehr oder weniger schweren Ausfällen, beispielsweise einer besonders heftig durchzechten Nacht
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Und genau das ist der Unterschied: Intuition lässt sich zwar nachweislich trainieren und in ihrer Qualität deutlich verbessern. Das heißt: Weniger intuitive Trugschlüsse und mehr intuitive Treffer und eine zieldienlichere Kommunikation intuitiver Einsichten. Aber eines lässt sich sicher nicht erreichen: Die Kontrolle über diese menschliche Grundfunktion. Selbst im ressourcevollsten Zustand gibt es keine Garantie, dass man oder frau eine glorreiche Intuition hat und die gesuchte Lösung, Antwort oder was auch immer findet.
Eben dieser Unterschied ist es, warum Intuition insbesondere im Management und in der Wirtschaft im Allgemeinen immer noch nicht wirklich Ernst genommen wird: Sie entzieht sich der Kontrolle und Vorhersagbarkeit, den zentralen Paradigmen der Wirtschaft.
Herzliche Grüße
Andreas Zeuch









