Intuitions-Blitzumfrage 2
Liebe Leserin, lieber Leser!
Nach den viel diskutierten Beiträgen zum Thema Sozialdarwinismus, gibt es heute eine Umfrage dazu. Denn Intuition braucht, um wachsen und gedeihen zu können, wie eine zarte Pflanze einen guten Boden. Und dieser Boden besteht aus verschiedenen Bestandteilen. Ein wichtiges Element ist Vertrauen und zwar auf mehreren Ebenen.
Vertrauen in
- die eigene Intuition
- die eigene “Selbstwirksamkeit” (also auch unter schwierigen Bedingungen Erfolg zu haben)
- die Intuition anderer
- die gemeinsame Selbstwirksamkeit (der Arbeitsgruppe, des Teams, des Bereichs, der Firma)
Vertrauen ist aber konträr zu dem Misstrauen, dass immer noch grundsätzlich durch die Trennung von Management und Ausführung in Unternehmen verankert ist. Wir gehen immer noch davon aus, dass der Mitarbeiter nicht in der Lage ist, sich selbst zu organisieren. Taylors misstrauische Grundannahme, dass der Arbeiter zu dumm und zu unwillig ist, gilt bis heute. Insofern stellt sich die Frage, wie jeder von uns die Bedeutung von Vertrauen und Kooperation einschätzt.
Herzliche Grüße
Andreas Zeuch










April 27th, 2010 at 8:54 am
So einig die Leser hier auch sein mögen, noch sind wir nur eine Minderheit. Kürzlich sagte eine Führungskraft zu mir “Das geht auch mit Druck” …
April 27th, 2010 at 8:59 am
Hi Eberhard,
na warten wir mal ab. Und natürlich gibts hier eine Verzerrung im Blog: Denn die Hardliner gehören sicher nicht zu den Lesern des integral.blog
Insofern findet hier natürlich eine Vorauswahl statt.
Nichtsdestrotz interessiert mich, was hier auf Dauer für Antworten kommen.
April 27th, 2010 at 1:14 pm
Druck erzeugt Gegendruck und führt zu Energieverlust.
Mitarbeiter bringen nach meinen Erfahrungen die besten Leistungen dann, wenn Sie für Ihre Erfolge belohnt werden und Misserfolge nicht als Grund für Sanktionen, sondern als mögliches Potential für Verbesserung angesehen werden. Dies setzt natürlich entsprechendes Vertrauen (auch in die intuitiven Fähigkeiten der Menschen) und eine gewisse Wertschätzung voraus.
Die schlimmste Aussage die ich übrigens in diesem Zusammenhang von Chefs nicht nur einmal gehört habe ist: “..wenn ein (Vertriebs-)Mitarbeiter sein (Umsatz)-Ziel nicht erreicht, muss es ihm richtig weh tun …” Ich glaube was hier weh tut ist genau diese Haltung.
Vertrauen und Wertschätzung werden nachweislich mit außerordentlichem Engagement und Loyalität belohnt. Leider hat der größte Teil der Unternehmer dies offensichtlich noch nicht begriffen. Schade, denn ich bin sicher, dass eben der steigende Leistungsdruck auf die Mitarbeiter und das ihnen nicht entgegengebrachte Vertrauen die Unternehmen mehr belasten, als ihr Management in der Lage ist, sich vorzustellen.
April 27th, 2010 at 10:30 pm
Interessant was man hier liest, auch wenn ich nicht alles auf Anhieb verstehen kann - da “uneingeweiht”.
Mich findet man im Bereich Arbeitnehmer….
Aber….ganz logisch betrachtet ist für mich der Mensch -> auch nur eine Spezies von unzähligen anderen auf diesem Planeten. für ihn gilt ->so wie es auch die Dressur bei Tieren immer wieder unter Beweis stellt - ein Belohnungssystem bringt die besseren Erfolge.
Druck und Strafen dagegen verängstigen oder zerstören den Willen frei aus sich heraus mitzuarbeiten. Folge - Mensch (oder Tier) macht nur das, was unbedingt gemacht werden muss, um Sanktionen zu entgehen. Desweiteren werden u. U. Täuschungsmanöver eingesetzt, um ein positives Feedback zu erhalten.
Damit kann kein dauerhafter Erfolg erzielt werden.
Und heute? Wie sieht es da für viele Arbeitnehmer aus- Leistungsverdichtung und -druck sind das große Thema. Misstrauen, Kontrolle und eine Zweiklassengesellschaft in den Betrieben - Führende und Geführte (fast schon Unterdrückte). Der Ton wird harscher und Agressionen zeigen sich in Form von Mobbing! Dazu treten vermehrt psychosomatische Erkrankungen auf.
Schöne neue Arbeitswelt!
Meinen Sie den Taylor, der den Taylorismus entwickelt hat- die Arbeitsteilung für mehr Effizienz? Das hat bewirkt, das A nicht mehr weiß was B macht, Zusammenhänge in einem Entwicklungsprozeß für den kleinen Mitarbeiter nicht mehr eindeutig nachvollziehbar sind. Zudem sind diese einseitgen Arbeitschritte am Fließband Motivationskiller Nr.1. Das war der erste kranke Schritt der Arbeitgeber den Menschen als reinen Produktions (kosten-) faktor anzusehen….
Viele Grüße
Larry
April 30th, 2010 at 7:06 am
Hallo Community,
aus meiner Sicht ist es sinnvoll diese Frage aufzuwerfen. Die Art der Fragestellung und die Reihenfloge der Antwortmöglichkeiten suggeriert allersdings zunächst die Möglichkeit eindeutiger Antworten.
Diese sind nach meiner Erfahrung nicht möglich. Ich denke es ist viel mehr Vertrauen in Unternehmen erforderlich. Dies kann aber nur funktionieren, wenn es eine Vertrauenskultur mit einer sozialen Verankerung gibt. Vertrauen in einer anderen Kultur ist schlicht naiv oder gar dumm.
Neben der Kultur kommt es auch auf die Haltung der einezelnen Mitarbeiter an. Wie diese ihrerseits mit Vertrauen oder kontrolle umgehen spiegelt sich dann wieder in der Gesamtkultur wider.
Wenn man statt Kontrolle den Begriff Feedback einsetzt (der auch eine Art kybernetischer Kontrolle ist), dann kann man aus dem Feedback für weitere Vertrauenprozesse noch lernen.
In dieser Form wird aus der Befragung ein Schuh und so verstehe ich auch meine Wahl des sowohl als auch.
Ich hoffe, diese Differenzierung hilft beim Umgang mit der Frage weiter!
einen gelungen, vertrauensvollen Tag!
Thomas Klug, cogitamus
Mai 5th, 2010 at 9:57 am
Guten Tag miteinander
Vertrauen ist wichtig - aber Kontrolle auch - jedes an seinem Platz.
Vertrauen ist auch etwas, das aufgebaut und verdient wird - wenn jemand hundert Mal pünktlich ist, habe ich Grund, auf dessen Pünktlichkeit auch für die nächsten hundert Mal zu vertrauen. Wenn ich eine Person nicht kenne, werde ich etwas misstrauischer sein und zuerst beobachten, bis ich meine Erfahrungen machte und eine Meinung bilden konnte. Und wenn ich von einer Person weiss, die notorisch unpünktlich ist, werde ich natürlich vertrauen - darauf, dass sie auch weiterhin unpünktlich ist. Und nicht für Aufgaben in Frage kommt, bei denen Pünktlichkeit wichtig ist.
Kooperation ist etwas Tolles, Konkurrenz aber auch. Ich arbeite gern mit manchen Leuten zusammen - in anderen Situationen bin ich aber auch sehr stolz darauf, in einer Konkurrenzsituation die Beste zu sein.
Was in welcher Situation förderlich ist, wovon es zu viel hat und wovon zu wenig, muss immer am Einzelfall geprüft werden.
grüsse, barbara
Mai 7th, 2010 at 8:33 am
[...] der theoretischen Grundlage über Vertrauen und Kooperation sowie der dazugehörigen Intuitions-Blitzumfrage 2 stelle ich heute einen Fall zur Diskussion. Und zwar einen, der alles andere als eindeutig ist und [...]
Mai 18th, 2010 at 7:36 am
Guten Morgen Barbara,
ein paar Gedanken zu deinem Kommentar:
1. Der Induktionsschluss aus den hundert Verspätungen, den Du beschreibst, finde ich a) gefährlich und b) wenig lösungsorientiert. Gefährlich deshalb, weil es keinerlei logische sondern nur wahrscheinlichkeitstheoretische Aussage ist, die sich aus der Induktion ableiten lässt. Und damit verringerst Du durch deine negative Erwartungshaltung (der/die kommt eh wieder zu spät) die Chance, dass sich dieses Verhalten in Zukunft ändert. Schließlich hat die Erwartungshaltung im Sinne der selbsterfüllenden Prophezeiung eine große Auswirkung auf die Selbstwahrnehmung und das Verhalten der anderen Person. Siehe dazu auch meinen Blogbeitrag “Die Effekte der Erwartung auf das Verhalten”: http://www.psychophysik.com/integral-blog/?p=673
Außerdem verbleibst Du mit dieser Denke und dem damit verbundenen Verhalten in einer inhaltsleeren Statistik. Viel lösungsorientierter wäre zu fragen, warum derjenige immer zu spät ist (bzw. irgend eine andere Verhaltensweise häufig wiederholt). Dann könnte es nämlich schnell sein, dass es vielleicht sogar mit Dir zusammenhängt und Du selbst eine auslösende Funktion hast… Es kann auch was ganz anderes sein, aber solange Du dem nicht nachgehst, weißt Du nur, dass da jemand zu spät kommt. Aber vielleicht steckt genau darin eine Lern- und Verbesserungsmöglichkeit.
2. Wenn Du eine Person nicht kennst und etwas misstrauischer bist, dann ist das zunächst Deine Verhaltensweise und sagt etwas über deinen Umgang mit Vertrauen aus. Ich persönlich kann darüber zum Beispiel keine verallgemeinernde Aussage treffen. Manchen Leuten traue ich von Anfang an überhaupt nicht, anderen sofort. Genau da kommt unsere Intuition ins Spiel, auch aus wenig bewussten Daten eine tragfähige Entscheidung abzuleiten.
Dann kommt noch das Problem Deiner Beobachtung hinzu: Du bist ein Mensch und kannst damit nur relativ schwer Deine Erwartungen an den Beobachteten ausknipsen und eine objektive und neutrale Haltung einnehmen. Somit beeinflusst Du bereits mit Deiner Beobachtung den Beobachteten. Selbst mit langjährig trainierter buddhistischer Gelassenheit (die ich hoch achte), erheben wir uns nicht über das Faktum unbewusster Erwartungshaltungen - eben weil Sie uns unbewusst bleiben.
3. Sagen wir: Spielerischer Wettbewerb ist prima - da bin ich sofort dabei. Schließlich habe ich viele Jahre leistungsorientierte Sport betrieben und war bei Wettkämpfen dabei und habe manche davon gewonnen. Das macht Spaß, ja. Indes: Unser gesamtes unternehmerisches Kulturverständnis basiert auf der verqueren und irrationalen Idee sozialdarwinistischen Wettkampfs (denk nur mal an all die kriegerischen und gewalttätigen Managementbegriffe wie Strategie, Taktik, den War for Talents, Große fressen Kleine…). Deshalb bedarf es der Korrektur, dass Kooperation die GRUNDLAGE jeglichen wirtschaftlichen Erfolgs ist. Würden wir nämlich grundsätzlich erst mal im Wettbewerb/Konkurrenz stehen, dann würden wir ja gar nicht kooperieren. Aber dann könnte jeder nur Produkte herstellen, die ein Mann/eine Frau alleine herstellen kann. Somit gäbe es nicht die Welt in der wir leben. Oder hast Du eine Antwort darauf, wie wir ohne Kooperation komplexe Produkte und Dienstleistungen erschaffen wollen?
Somit gilt: Vertrauen und Kooperation sind die Basis. Wenn die gegeben ist, kommt spielerischer Wettbewerb als Sahnehäubchen obendrauf.
Herzliche Grüße
Andreas
Mai 19th, 2010 at 5:53 pm
Hallo Andreas
Menschen, die sich immer beständig zuverlässig verhalten, verdienen das Vertrauen, das ihnen (zu recht) geschenkt wird, nicht nur wegen der Zuverlässigkeit, sondern auch wegen der Beständigkeit. Weil sie eben immer, hundert von hundert/tausend von tausend Mal verlässlich waren und sind. Wahrscheinlichkeitsrechnungen dieser Art schaffen eben nicht nur negative, sondern auch positive Erwartungshaltungen, bis hin zu einem unbedingten Vertrauen - zu Personen, bei denen man sich ausruhen und entspannen kann, weil man weiss, alles ist in Ordnung, sie kümmern sich drum, sie haben es ja gesagt. So etwas baut sich aber erst mit der Zeit auf. Wenn man mit jemandem für ein paar Monate oder Jahre zusammenarbeitet, ist es tatsächlich die Häufigkeit der Ereignisse, die es ausmacht.
Nach den Ursachen kann ja mal gefragt werden, doch für die Lösung der meisten Probleme spielt die genaue Ursache keine besondere Rolle. Wenn ich mir mein Bein breche, muss der Arzt nicht unbedingt wissen, ob es beim Putzen oder beim Skifahren geschah. Er muss mein Bein behandeln, unabhängig davon, wie es in diesen jämmerlichen Zustand geraten ist.
Was schlechte Gewohnheiten anderer Menschen betrifft, mit denen man konfrontiert ist, bleibt in der Regel wenig anderes übrig als sich a) damit zu arrangieren oder b) nicht mehr mit diesen Menschen zusammen zu sein.
Was den Wettbewerb betrifft- bestimmt gab es, gerade auch in letzter Zeit, Exzesse der selbsternannten “Masters of the Universe”, in Richtung zu viel Wettbewerb und martialischem Wortschatz. Ich halte es nicht für eine gute Idee, nun ins andere Extrem zu kippen und nur noch alles kooperationsbasiert zu betrachten. Nur schon wenn ich die Personen auswähle, mit denen ich im Team zusammenarbeiten will, ist das ein Wettbewerb, den einige wenige gewinnen und die meisten bleiben aussen vor…
grüsse, barbara
August 20th, 2010 at 5:44 am
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August 23rd, 2010 at 9:17 am
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