Der Tod des Zentralismus - oder: Die Kunst, nicht zu lernen.
Liebe Leserin, lieber Leser.
Am 09. November 1989 fiel die Mauer. Die ehemalige Deutsche Demokratische Republik, dieses zynische Gebilde eines überkommenen Zentralismus, alles andere als demokratisch regiert, musste seine Grenze zum Westen hin öffnen. Es war und ist ein historisches Symbol für den Misserfolg eines planenden und zentral gesteuerten sozialen Systems.

Der Mauerfall
Ein Kind dieses Landes war bekanntermaßen Angela Merkel. Wenn Sie als Bundeskanzlerin geeignet sein soll, müssten wir prinzipiell erwarten können, dass sie die Absurdität und Dysfunktionalität einer zentralistisch regierten planwirtschaftlich operierenden DDR verstanden hat. Wer wie ich in der Vergangenheit oft in der DDR zu Gast war, hat ein Gefühl dafür bekommen, welche Vor- und welche Nachteile dieses politische System mit sich brachte. Bereits in den 1970ern konnte man erspüren, das etwas faul war in diesem Staate.
Nur zu gut erinnere ich mich an die angsteinflößenden Grenzen, die zur rigorosen Abschottung vor dem Westen dienten. Ich erinnere mich an die traurig verfallenen Ortschaften; an die immer wieder offensichtlich gescheiterten wirtschaftlichen Pläne, die als großartiger Erfolg verkauft wurden, so durchsichtig in der Lüge wie Glas; an die lächerlichen Imitate westlichen Wirschaftserfolgs, zum Beispiel in der Form von “Vita-Cola“.
Dieser Artikel soll nun keineswegs ein tumbes Loblied auf den freien Westen werden. Auch wir zahlen einen Preis für unsere vordergründige Freiheit. Und er ist nicht gerade niedrig anzusiedeln. Keine Frage. Nein, mir geht es nur um die Einsicht, dass ein komplexes soziales System selbst mit Unterdrückung der Bürger nicht dauerhaft zentral gesteuert werden kann. Und dasselbe gilt genauso für kleinere soziale Systeme, wie die CDU, deren Vorsitzende sie ist.
Im aktuellen Spiegel gibt es dazu ein interessantes Interview mit Josef Schlarmann, dem Chef der Unions-Mittelstandsvereinigung: “Im System Merkel werden Entscheidungen zentral getroffen, von oben nach unten, in der Managersprache würde man sagen “top-down”… Das ist in einer Parteidemokratie bedenklich. … Sie regiert mit einem kleinen Team, das sie ausgewählt hat. Die Dinge werden dort beraten und entschieden. Die Partei erfährt dann meistens erst aus den Medien, was beschlossen worden ist. … Wir müssen uns daran gewöhnen, dass Frau Merkel einen zentralistischen Führungsstil pflegt.” (Spiegel Nr. 28/2010, S. 21).
Schlarmann und die beiden Spiegel Journalisten Markus Feldenkirchen und René Pfister outen sich in diesem Interview zwar selbst als widersprüchlich respektive peinlich naiv: “Spiegel: Fehlt Frau Merkel die Autorität, um Teamgeist zu erzeugen? (Mein Gott, was für eine Frage!). Schlarmanns Antwort: “Wenn ich keine Richtung vorgebe, geht die öffentliche Diskussion los. … Ich will zurück zur Geschlossenheit.” (a.a.O., S. 22) Nichtsdestotrotz bleibt das Bild der zentralistisch regierenden Kanzlerin, die keine wirklich andere Meinung neben sich erträgt und somit kein demokratisches Grundgefühl glaubhaft vermitteln kann und als Kanzlerin eines demokratischen Landes vollkommen ungeeignet ist.
Das erinnert an so manchen Chief Executive Officer, der seinen Titel allzu wörtlich nimmt und als Offizier in militärischem Verständnis seine unternehmerische Armee durch Wirtschaftskriege hindurch befehligt, um zu glorreichen Siegen zu schreiten und als Denkmal im Anschluss an seine Herrschaft die Zeit zu überdauern. Das er ein gewichtiger Grund für die katastrophalen 89% demotivierter Mitarbeiter ist, ignoriert er ebenso geflissentlich, wie die Kanzlerin die Meinungen aus der Parteibasis.
Herzliche Grüße
Andreas Zeuch










Juli 13th, 2010 at 8:52 am
Gut beobachtet und beschrieben. Und wie geht es anders. Daran gewöhnen möchte ich mich nicht. Also handeln. Mein Vorschlag: Kooperation. Von Mensch zu Mensch.
Juli 13th, 2010 at 9:26 am
Die Kooperation setzt aus meiner Sicht 2 Dinge zwingend voraus:
1. Ich muss vertrauen. Und das fällt Machtinhabern im allgemeinen ziemlich schwer. Denn sie wollen ja an der Macht bleiben.
2. Ich muss einsehen, dass ich nicht alles kontrollieren kann.
Der zentralistische ganz und gar undemokratische Führungssteil ist ja der verzweifelte und irgendwie ebenso alberne wie traurige Versuch von Frau Merkel und all ihren Seelenverwandten, ihr Misstrauen und ihre Kontrollsucht zu operationalisieren.
Das gilt natürlich ganz unabhängig vom Parteibuch oder der beruflichen Domäne.
Juli 13th, 2010 at 10:09 am
Natürlich muss hier immer der Blick auf das System gerichtet sein: “Die anderen spielen den König” - ohne Duckmäuser in der CDU, ohne die Karriereopportunisten, die sich in den Dienst der Hierarchie stellen (ein-stellen lassen), funktioniert Zentralismus nicht. Das System bleibt wirksam, so lange Dominanzwünsche gelebt werden - und Unterwerfung sich als komplementäre Strategie bewährt, die Fürsorge der Dominierenden zu erlangen.
Es ist eine alte Geschichte …