Wenn der ERGO-Mann zweimal klingelt!
Liebe Leserin, lieber Leser!
Wer kennt sie nicht, die tolle neue vertrauensbildende Marketingkampagne der ERGO? Menschen in Großaufnahmen: Gesichter, anfänglich gezeichnet von Sorgen, von Zweifeln, dann – Dank der ERGO – voller Zuversicht und Freude. Endlich werden wir von einer Versicherung fair behandelt, alle Verträge sind einfach und verständlich, keine zwanzig-seitigen Vertragswerke in 0,5 Punkte Schrift, keine Myriaden winkeladvokatischer Schlupflöcher, keine überteuerten Prämien, NEIN: Jetzt endlich begegnet uns eine Versicherung voller Respekt und Menschlichkeit!
Tja, und dann das: “Düsseldorf. Die Motivation von freien Versicherungsvertretern mittels Sex-Reisen war im Ergo-Konzern üblicher als bisher angegeben. Nach Recherchen des Handelsblattes durften die leistungsstärksten freien Vertreter der Ergo-Tochter Hamburg-Mannheimer nicht nur auf Konzernkosten ins Bordell auf Mallorca, die Versicherung zahlte bis vor kurzem sogar für tagelange Aufenthalte in einem Swinger-Club auf Jamaika. Dies zeigen drei Berichte der Ergo-Konzernrevision, die dem Handelsblatt vorliegen.” Handelsblatt, 30.08.2012
Huahaha – das ist doch eine super Unternehmenskultur, sehr nah am Menschen, genauer gesagt am Manne dran und noch exakter… Jetzt mal Tacheles für alle meckernden Möchtegern-Watergate-Investigativ-Journalisten: Das ist ein äußerst effizientes Provisionssystem (und mal ehrlich: Ihr seid doch nur neidisch, dass Eure Zeitungen als Vertreter einer dahinsiechenden Branche sich das nicht leisten können)! Es entlohnt Spitzenvertriebler nicht nur monetär, sondern auch hormonell. Das ist menschliche Betriebswirtschaft! Falls Euch das nicht einleuchtet, hier die wissenschaftliche Erklärung: Geld bringt Menschen auseinander, schafft eine Kluft in der Beziehung, dass belegen diverse Studien (hier mal eine). Also tut die ERGO alles, um diese armen geldgebeutelten Vertriebler wieder zusammenzubringen! Sogar auf die Gefahr einer lausigen Presse hin, sogar auf die Gefahr hin, von provinziellen Journalisten als gefundenes Fressen gesehen zu werden. Das ist Mut, liebe Leute!!
Was ich nur nicht verstehe: In der Sache ist natürlich wieder mal aller Verantwortlichen Leute Name Hase und niemand wusste etwas vom Hedonism II (geiler Name, gell?). Hey, dabei sollten nicht nur die Vertriebler unter der Gürtellinie hoch aufgerichtet sein, sondern vor allem die fürs Provisionssystem Verantwortlichen erhobenen Hauptes da stehen und sagen: Wir sind stolz auf uns! Mein Vorschlag für den nächsten Slogan: “Wir versichern nicht nur. Wir bringen Menschen zusammen!”
Top! Das gibt fünf Sterne für glaubwürdiges, kundenzentriertes und ethisch einwandfreies Wirtschaften. Ein Vorbild für alle. Warum gibt es diese großartigen Sex-Stories eigentlich bei so wenig anderen Unternehmen? Sollten sich mal ein Vorbild an Eurer Vertriebs- und Unternehmenskultur nehmen! Chapeau!
Zum Schluss hätt ich da noch ne Idee: Liebe Ergo-Marketer (oder: liebe Marketingagentur im Auftrag der ERGO): Dreht doch mal nen Adult Movie zur Vertrauensbildung bei den Kunden, nicht so ne harmlose Satirenummer, wie das da:
Erste Titelidee für Euer Kassengestellkreativteam: “Wenn der ERGO-Mann zweimal klingelt!”
Ding-Dong, Ding-Dong!
“Hallo Herr Kaiser! Kommen Sie doch rein…”
Gesendet wird das dann rechtlich einwandfrei im PayTV gegen Bezahlung. Dann würde sich nach einiger Zeit die Werbung schnell rückfinanzieren. Sex sells!! Will heißen: Es steht auch einem Sequel nichts im Wege, der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Am Ende des Tages, mit etwas Glück, ließe sich an der ganzen verlogenen Misere vermutlich sogar noch ein recht hübsches Sümmchen verdienen. Ihr könnt dann die Marketer ebenfalls nach Jamaica oder Budapest entsenden. Oder vielleicht etwas diskreter irgendwo nach Thailand oder Afrika. Aber auch das ist schon etwas abgedroschen, mal abgesehen von unkontrollierbaren Risiken wie Tsunamis und AIDS. Andererseits könnte das wieder zu einem spannenden Geschäftsmodell mit der SwissRE oder MünchenRück führen… Sei’s drum. Mein Geheimtipp: Der neueste Trend geht nach Grönland, da sorgt die Kälte dafür, dass die Menschen noch näher zusammenrücken.
Ach – und wenn Ihr die Idee heiß findet, dann nehm ich als Dankeschön lieber Bares als… na Ihr wisst schon.
Herzliche Grüße
Andreas Zeuch
PS: Falls es jemand nicht aufgefallen ist: Dies ist eine Satire im Rahmen künstlerischer Freiheit.










August 30th, 2012 at 2:36 pm
Hallo Andreas,
Klasse! Ich habe Tränen gelacht, beim Lesen dieses Artikels.
You made my day
Danke
Bernd
August 30th, 2012 at 3:19 pm
Hi Bernd,
Danke für die Blumen! Freut mich, das ich Dich erheitern und Deinen Tag versüßen konnte
Herzlich
Andreas