Die nachhaltige Ökonomie – Eine Replik
Liebe Leserinnen und Leser,
heute hatte ich einen kurzen Gedankenaustausch bei Twitter mit Alexander Rossner vom zukunftswerk. Es ging dabei um die Frage, welche Form alternativer Ökonomien tatsächlich unterm Strich öko-sozial nachhaltig sind. Ich pointierte dies, indem ich die Frage stellte, ob eine echte Nachhaltigkeit letztlich nicht nur durch eine Postwachstumsökonomie erreicht werden kann. Alex antwortete auf meine 140Zeichen Twitter Frage mit einem guten Artikel auf dem Blog des zukunftswerks. Auf diesen Artikel möchte ich hier in diesem Post eingehen.
1. Ein gutes Leben für alle
Niemand, der auch nur einen Funken Gerechtigkeitsempfinden und Mitgefühl in sich verspürt, käme auf die Idee, von all den Menschen, die unter, an oder nur knapp über der Armutsgrenze leben, weiteren Verzicht zu leisten. Mir ist in der ganzen Nachhaltigkeitsdiskussion zentral, dass wir die Würde aller Menschen beachten und uns dementsprechend verhalten. Vielmehr nervt mich immer wieder aufs Neue, wenn Nachhaltigkeit auf ökologische Aspekte einer grünen Produktions- und Lieferkette reduziert wird. Dies gilt übrigens auch für die Arbeitsbedingungen nicht nur von Textilarbeiterinnen in Bangladesh, sondern auch für Mitarbeiter in Deutschland, die oft genug auch zu leiden haben, wie in der letzten Vorweihnachtszeit bei den Zustellern mal wieder deutlich wurde. Abgesehen davon ist es um soziale Nachhaltigkeit im Innenverhältnis unserer Unternehmen hier vor Ort auch jenseits von Spitzenbelastungszeiten nicht besonders gut bestellt. Stichworte: Rasterfahndung, Spitzelskandale, illegale Drogenscans, Mobbing und so weiter und so fort. Wir müssen nur einen Blick auf die epidemiologischen Daten arbeitsbedingter Erkrankungen werfen. Wer dann noch gegenteiliges behauptet, sollte sich einem psychiatrischem Realitätscheck unterziehen. Übrigens: Das ganze Desaster ist natürlich nicht nur moralisch krank, sondern auch wirtschaftlich reichlich irrational weil ineffizient. Dazu muss man wiederum nur die Kosten arbeitsbedingter Erkrankungen ins betriebswirtschaftliche Kalkül ziehen.
Gerechtigkeit und Würde für alle ist ein genauso stringentes Argument, wie die simple Mathematik der Grenzen des Wachstums. Insofern bedarf es natürlich eines Wachstums seitens der Entwicklungs- und Schwellenländer. Dort aber insbesondere für all diejenigen, die im wahrsten Sinne des Wortes am Hungertuch nagen. Denn auch in diesen Ländern finden wir besonders perverse Reichtumsblüten, wie Lakshmi Mittal oder Mukesh Ambani. Es stellt sich aber auch eine unangenehme Aufgabe für alle von uns, denen es aus der Sicht der wirklich Armen extrem gut geht: Die Umverteilung von Eigentum. Dies hat für mich Meinhard Miegel in seinem Buch “Exit. Wohlstand ohne Wachstum” sehr gut deutlich gemacht (→Wirtschaftswachstumswahnsinn): Es geht auch darum, die aus dem Gleichgewicht gebrachte Waage wieder ins Lot zu bringen. Wenn wir aber unser Niveau halten wollen und allen anderen das selbe Recht zugestehen, brauchen wir noch ein paar Erden mehr. Also sehe auch ich nur die Lösung einer Umverteilung.
2. Die Illusion vom Fortschritt und der Dematerialisierung
Den Global Marshall Plan halte ich ebenso wie Alex Rossner für einen äußerst sinnvollen Ansatz. Peter Spiegel hat ihn gut verständlich und verdaulich in seinem Buch “Faktor Mensch” beschrieben. Allein: Einiges bleibt aus meiner Sicht immer noch nicht überzeugend, mithin illusionär. Und diese Illusion wiederum hat der Oldenburger Ökonom Niko Paech in seinem kleinen aber feinen Werk “Befreiung vom Überfluss” ziemlich deutlich entlarvt. Dienstleistungen wie Beratung, Training oder IT-Services sind keineswegs frei von Ressourcenplünderungen. Jeder Berater, der hypermobil durch die Welt braust oder jettet, hinterlässt dinosaurierartige CO2 Fußabdrücke. Aber nicht nur durch das ständige Reisen, sondern auch durch die netten Hightech Gadgets, ohne die er oder sie die Arbeit nicht verrichten kann. Jedes Handy, jeder Computer und – noch paradoxer – jedes scheinbar ökologisch korrekte Hybridfahrzeug erfordert Seltene Erden. Abgesehen mal von der Kleidung, Schuhen, Schreibutensilien, Homeoffices, dortigen weiteren Geräten wie Druckern etc.
Darüber hinaus ist leicht erkennbar: IT-Services, die so dematerialisiert erscheinen, sind gerade ihrerseits massive Wachstumstreiber der Energiebranche (Stichwort Serverparks) und natürlich der immer schneller sich entwickelnden Hardware. Und wer Bildung als dematerialisiert betrachtet, möge nur mal an all die Ressourcen denken, die Bildung fordert, angefangen bei Schul- und Universitätsgebäuden, deren Einrichtungen, technische Ausrüstungen, Strom, Gas, Wasser… da hilft auch nicht der Trend zu virtuellen Vorlesungen, denn die fordern wieder die IT-Infrastruktur.
Kurz: Mir ist kein wirklich dematerialsiertes Wachstum bekannt – außer spirituelles, aber das hilft den Hungernden, Durstenden und schwer Erkrankten sicher nicht weiter.
Ebenso wenig überzeugt der Fortschrittsglaube durch technische Innovationen. Es gibt reichlich Rebound-Effekte, die durch Effizienzsteigerung erreichte Einsparungen wieder neutralisieren oder gar ins Gegenteil verkehren, was dann wunderbar martialisch als Backfire-Effekt bezeichnet wird. Ein einfaches Beispiel: Wenn Handys oder Tablets durch neue innovative Produktionen weniger teure Rohstoffe brauchen, können sie wiederum billiger verkauft werden. Das führt a) zu höherem Absatz und b) bei einigen Konsumenten zu mehr Kaufkraft. Und die geben dann dieses Geld gerne für weitere Gadgets, Reisen, Events oder dergleichen mehr aus (das hat der schon erwähnte Niko Paech gut in seinem Buch “Befreiung vom Überfluss” herausgearbeitet. Genauso übrigens Tim Jackson in seinem Buch “Wohlstand ohne Wachstum“).
3. Das Ende vom Lied: Gleichgewicht
Was also bleibt? Für mich recht simpel, wenn man das große Ganze sieht: Wachstum wo Armut herrscht und gesund schrumpfen, wo jetzt schon finanzieller Wohlstand zu finden ist. Es gilt die materielle Waage ins Gleichgewicht zu bringen.
Herzliche Grüße
Andreas Zeuch










Januar 31st, 2013 at 10:42 pm
Lieber Andreas,
Danke für die Replik. In einigen Punkten sind wir kongruent, in anderen haben wir uns womöglich nur nicht richtig verstanden (und sind damit auch einer Meinung), in wieder anderen haben wir womöglich in der Tat eine andere Meinung. Ein paar Dinge nur schnell der Klarstellung halber:
1.) Ein gutes Leben für alle
Ich bin zu 100% bei Dir, dass unsere gegenwärtige Wirtschaftsform ökologisch, sozial, ökonomisch und kulturell eine Katastrophe ist. Im Ausland wie im Inland. Ich bin froh, dass Du das klar herausstellst.
Gleiches gil für das Erfordernis der Umverteilung – national wie international. Auch da teile ich Deine Einschätzung uneingeschränkt.
2.) Fortschritt und Dematerialisierung
Hier sollten wir sauber trennen. Beim Global Marshall Plan und der ökosozialen Marktwirtschaft sprechen wir zunächst über einen Ansatz für eine globale Wirtschaftsordnung unter einem globalen Regime.
Damit ist noch nichts über die Regeln gesagt, die die Inhalte der Wirtschaft konkret bestimmen. Deine Negativbeispiele – die meisten sind mir hinlänglich bekannt – sollten hoffentlich in einer tatsächlich ökosozialen Marktwirtschaft keine Rolle mehr spielen, wenn die Internalisierung ökologischer und sozialer Effekte dann wirklich praktiziert wird.
Bei IT bin ich ebenfalls nicht vollständig Deiner Meinung oder verstehe vielleicht auch nicht vollständig, was Du sagen möchtest. Vermutlich hat die IT – wie alle Dinge – mehrere Seiten, aber die Möglichkeiten, gerade auch für den einzelnen Menschen und gerade auch für kleine und mittlere Unternehmen, die durch IT geschaffen werden, sind m.E. durchaus anerkennenswert. Mir hilft die IT, ganz überwiegend von zu Hause aus zu arbeiten und auf Reisen aller Art und das tägliche Commuting zu verzichten. Meine Infrastruktur ist ein Notebook und ein Handy. Was wäre nun im Sinne einer Postwachstumsstrategie Dein Vorschlag? Soll ich dieses Notebook behalten dürfen oder müsste ich es abgeben? Was ist mit den Menschen, die noch keinen PC haben? Dürfen die einen haben oder eher nicht? Ich weiß, dass die Frage recht dumm klingt, aber ich bitte Dich dennoch um deren Beantwortung. Ähnlich geht es mir bei Deinen Ausführungen um IT im Bildungsumfeld. Wir können nicht einerseits die These aufstellen, dass Zugang zu Bildung ein Menschenrecht ist, um andererseits die Forderung aufzustellen, dass Bildung und Wissenschaft vollständig emissionsfrei zu erfolgen hätten und man demgemäß auf IT zu verzichten habe.
Das ist aber womöglich nur ein Randthema, über das ich mich nicht wirklich streiten will. Wobei, aber das muss ich ja nicht betonen, ich mich gar nicht mit Dir streiten will
Was mir wichtiger erscheint: Ich halte es für gewagt, die ökosoziale Marktwirtschaft für illusionär zu erachten, aber die Postwachstumsökonomie im Umkehrschluss für durchsetzungsfähig:
Nehmen wir an, 2 Milliarden Menschen (die reiche Welt) einigten sich auf die Postwachstumsökonomie (was immer das genau ist und wer immer sie auch wo durchsetzt) und “wachsen” jetzt nicht mehr, was natürlich insofern schon illusionär ist, als diese Menschen ja dennoch Nahrung etc. benötigten, aber ich will das einmal in dem Sinne verstanden wissen, dass der durch sie verursachte Verbrauch nicht weiter ansteigt. (Annahme 1).
Nehmen wir weiter an, dass wir den etwas mehr als 4 Milliarden Armen, was wir ja übereinstimmend tun, weiteres Wachstum zugestehen. (Annahme 2).
Meine überschlägige Schlussfolgerung au diesen beiden Annahmen ist, dass wir noch etwa 50, 60 Jahre weiter wachsen werden, was unsere “Verbräuche” betrifft – und momentan sind es leider tatsächlich Verbräuche und keine Nutzungen. Vielleicht wachsen die Verbräuche langsamer, aber angesichts der immensen Zahl derer, die aufholen wollen und der Geschwindigkeit, mit der sie aufholen wollen, ist das gleichwohl ein beeindruckender Mehrverbrauch, der uns vor eine große Zahl von Problemen führt, von denen die Erschöpfung seltener Erden, des Erdöls und anderer Ressourcen womöglich die kleinsten sein dürften.
An dieser Stelle kommt die Innovation ins Spiel – und ich will dem Verdacht, ich sei ein fortschrittsgläubiger Techie nur schnell mit der Behauptung begegnen, dass ich aus mehreren Gründen privat stringent nach Nico Paech zu leben versuche und um Rebound-Effekte weiß. Indes: Befände sich die westliche Welt in einer Postwachstumsökonomie (Annahme 1) würde sie sich völlig aus den Themen der übrigen Welt verabschieden und keinen innovativen Beitrag zu deren Probleme leisten können. Überspitzt formuliert ginge es uns dann immer noch recht prima und vielleicht sogar besser und wir kümmerten uns nicht mehr um Innovation und Fortschritt, weil wir ja beschlossen haben, dass wir nicht mehr weiter wachsen wollen.
Unabhängig von der Frage, wie wir das Schrumpfen der Wirtschaft und der erwerbstätigen Bevölkerung dann finanzieren wollten, stellt sich mir die viel wichtigere Frage, wo dann die Innovationen her kommen sollen, die den schnell wachsenden Bedarf von mindestens 4 Milliarden Menschen ermöglichen könnten ohne die vollständige Erschöpfung aller wichtigen Rohstoffe zu gewärtigen.
Hätten wir hingegen eine ökosoziale Marktwirtschaft mit klar definierten und umfassenden Umverteilungsströmen und – was wir im Moment nicht haben – global gültigen Spielregeln für die Wirtschaft, könnte die Innovationskraft richtig kanalisiert und incentiviert werden und damit aus der zerstörerischen Kraft der Ökonomie eine schöpferische Kraft werden, die zur Lösung ökologischer und sozialer Probleme beiträgt, anstatt sie, wie bislang, zu schaffen.
3. Dein Fazit: Gleichgewicht
Ich denke, dass wir da wiederum beisammen sind, was die Zielvorstellung betrifft, nicht aber den Weg. So sehr ich Postwachtumsgedanken im Privaten lebe und ehre, sehe ich keine Motivation, dieses Gedankengut breit und gegen den Strom zu verankern. Ich tue mich ja schon im engsten Umfeld damit schwer. So lange die gesamte Postwachstumsszene ihre Ökonomie also nicht mit einem konkreten Umsetzungsplan versieht und sagt, wer wo wann was mit welchen Mitteln tut, um ihr zur Durchsetzung zu verhelfen, glaube ich nicht an ihre breite Durchsetzung. So groß angelegt und gewagt der Global Marshall Plan auch sein mag, es ist zumindest ein Plan und nicht nur eine Idee.
Mein versöhnliches Fazit wäre ein anderes. Mir persönlich ist es einerlei, auf welchem Wege wir zu dem gleichen Ziel gelangen. Vielleicht führen ja auch mehrere Wege nach Rom. Lasst uns also gemeinsam und vielleicht auf verschiedenen Wegen für den notwendigen Wandel kämpfen.
Februar 1st, 2013 at 8:47 am
Lieber Alex,
vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Ich glaube, ich habe mich noch etwas undeutlich ausgedrückt.
1. Marshall Plan
Seh ich genauso wie Du. Finde die Ideen auch gut und überzeugend. Was mich nicht überzeugt hat – von dem was ich kenne, und vielleicht weiß ich auch einfach noch zu wenig – ist die zu positive Ansicht über Bildung, zumindest bei Spiegel. Natürlich folgt aus den Ressourcenbedürfnissen von Bildung nicht, dass wir sie sein lassen sollten. Es geht mir nur darum, auch die ökologischen Kosten und Folgen einer global verstärkten Bildung im Blick zu behalten. Und diese Reflexionsschleife habe ich bei Spiegel nicht gefunden.
2. Dematerialisierung und Innovation
Mir geht es um eine Kritik der illusionären Schönfärberei aus der Sicht mehr oder weniger klassischer Ökonomie. Von deren Vertretern bekommen wir ja immer wieder das Fortschrittsmantra zu hören. Und in dem Zusammenhang das sehr einseitige Loblied auf IT. Womit ich keineswegs die unsinnige Forderung verknüpfe, IT abzuschaffen. Auch hier geht es mir nur um einen umfassenden Blick, der Chancen UND Risiken beachtet.
3. Praktikabilität der Postwachstumsökonomie
Das ist für mich eine genauso große Herausforderung, wie die Idee des Global Marshall Plan. Am bislang überzeugendsten finde ich das Modell, dass Paech am Ende seines Buches grafisch zusammengefasst darstellt. Die bisherigen 40 Arbeitsstunden werden aufgeteilt, jeder ist nur noch 20 Wochenstunden mit Geldverdienen beschäftigt und 20 Stunden mit Subsistenzarbeiten und ehrenamtlicher Tätigkeit etc. Das Modell kennst Du sicher. Da fände ich es spannend, mit Dir drüber nachzudenken, ob das en sinnvolles Ziel ist und falls ja, wie es umgesetzt werden könnte.
Ansonsten gilt auch für mich: Viele Wege führen nach Rom. Nur einer nicht: Wenn irgendjemand glaubt, den ultimat richtigen und besten Weg zu kennen. Dann verlieren wir uns in kraftzehrenden Grabenkämpfen und reiben uns an uns selbst auf.
Soweit in Kürze, mehr vielleicht bei unserem kommenden Gespräch.
Dir bis dahin eine gute Zeit
Andreas
Februar 1st, 2013 at 9:05 am
Lieber Andreas,
jetzt sind wir wohl fast vollends einer Meinung:
Ich kritisiere das Paech’sche Modell auch nicht für seine richtigen Inhalte, was ich sage, damit ich mich nicht in einen falschen Ecke wieder finde. Paech hat hier einen brillanten Ansatz gefunden, der m.E. gut Leitplanken, Regeln und Inhalte einer künftigen Ökonomie bestimmen könnte. Nicht zuletzt auch deshalb, weil es richtig ist, den Menschen zu entlasten und ihm Ruhe für sich und seine Familie und sein Leben zu geben und weil es falsch ist, ihn bis zur ultimativen Grenze seiner persönlichen Leistungsfähigkeit für Zwecke der Ökonomie auszubeuten.
Das einzige, was mir bei Paech und all diesen inhaltlich guten Ansätzen fehlt, ist das Modell der Governance und der politische Umsetzungsplan. Angesichts der gegenwärtigen Zustände, die ja durchaus als beklagenswert bezeichnet werden können, fehlt mir jede Idee, wie wir rein praktisch bzw. politisch vom Status Quo in den Zustand des Postwachstums gelangen können. Für das Individuum sind die Paech’schen Ansätze auch heute ohne Weiteres umsetzbar. Wo aber sind die Incentives, wo ist die Motivation für eine Massendynamik, wo der Nutzen für die mächtigen Player der Ökonomie, wo der Masterplan auf nationaler oder supranationaler politischer Ebene?
Womöglich ist es aber auch so, dass die Global Marhall Plan Initiative eher von oben ansetzt, also bei der Governance und dem Umsetzungsplan, während die Postwachstumsansätze eher von unten kommen und dem interessierten und kritischen Individuum, (dem einzelnen Unternehmen, der einzelnen Kommune) als Orientierung dienen können. Daher halte ich es in der Tat für möglich, dass wir beide Ansätze benötigen, um zum Erfolg zu gelangen.
So oder so, ich freue mich über unsere Diskussion und auf dessen telefonische Fortsetzung am Montag.
Viele Grüße
Alexander
Februar 1st, 2013 at 9:22 am
Lieber Alexander,
sehr schön zusammengefasst. Der eher (supra-)nationale Governanceansatz des GMP und die eher individuelle und organisationale Herangehensweise der Postwachstumsökonomie. Wenn wir das noch mit Idee der rechtlichen und steuerlichen Anreizung der Gemeinwohlökonomie verknüpfen, könnte daraus ein gangbarer Weg in eine gesunde, nachhaltige Zukunft entstehen.
Ich selbst verorte mich auf der eher betriebswirtschaftlichen Ebene, weil ich nicht darauf warten will, bis sich vielleicht irgendwann mal politische Rahmenbedingungen geändert haben. Ein sehr wichtiger Ansatzpunkt dafür ist unter anderem die freiwillige Internalisierung externer Kosten, die Du ja schon angesprochen hast. Ein weiterer zentraler Schritt liegt darin, zentrale Entscheidungen wie Strategieentwicklungen zukünftig nicht mehr durch die Führungsspitze allein machen zu lassen, sondern gemeinsam mit der Belegschaft. Und genau setze ich mit meinen Kollegen im Rahmen unserer Unternehmensgründung an. Darüber dann mehr bei unserem Gespräch.
Bis dahin alles Gute
Andreas
Februar 1st, 2013 at 10:36 pm
Danke Euch beiden für die Sicht auf das IST und die Vision, als auch die Wege dorthin.
Wenn wir es schaffen, dass die Menschen zunehmend in die Eigenverantwortung kämen, dann bin ich mir ziemlich sicher, dass sie sehr gut erkennen können, was ihr Tun auf der anderen Seite bedingen wird und dies bei ihren Entscheidungen einfließen lassen. Nur so lange wir mit offenen Münder nur auf die Oberen warten dürfen, was sie da an nicht offensichtlich nachvollziehbaren Entscheiden treffen, so lange wir da wohl nichts mit uns werden.
Meine Vision wäre, dass wir die Prämissen ausgäben: Maximale Arbeitslosigkeit bei Erfüllung unserer Bedürfnisse. 50% unserer Arbeiten gehen in der Verwaltung von Geld drauf. Ein interessanter Posten. Zudem steigt der Grad der Automatisierungen expoentiell. Also: warum sollten wir es nicht hinbekommen, nur noch 2 Stunden für unsere Bedarfe zu arbeiten. Den Rest verwenden wir für Dinge, wofür heute extrem wenig gezahlt wird aber notwendig sind.
In einer wirklich fairen Gesellschaft, deren Prinzip lautet: “Weil ich nicht beherrscht werden will, möchte ich selbst Andere nicht beherrschen.” braucht es weder Polizei noch Richter noch Anwälte noch Gefängniswärter. Wir würden nicht mehr wissen, was Verbrechen sind …
Herzlich, Martin
Februar 2nd, 2013 at 9:32 am
Martin,
Dankeschön – und ja, DAS ist einmal eine Vision! Kennst Du zufälligerweise Alfred Fresin und seine bedürfnisorientierte Versorgungswirtschaft? Wenn nein, schau mal hier: http://stattkapitalismus.blogsport.de/
Ein schönes Wochenende,
Alexander