Ein Fall von Nichtwissen (4): Porsche kommt ins Schleudern
Liebe Leserin, Lieber Leser!
Droht gerade ein weiterer Fall von sinnloser Unternehmens-Zerstörung? Am 04. Februar 2009 habe ich die Situation von Schaeffler / Continental unter dem Blickwinkel mangelnder Prognosemöglichkeit, sprich Nichtwissen über die Zukunft, in diesem Blog thematisiert. Jetzt dräut am Horizont die nächste Megapleite eines ehedem äußerst blühenden deutschen Unternehmens, das Kult- und Vorzeigestatus hat. Und mit ihm galt der verantwortliche CEO Wendelin Wiedeking als der große Macher: 1994 - Manager des Jahres; 2007 - Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg; 2008 - European Manager of the Year, um nur einige Auszeichnungen zu nennen. Die Zeiten haben sich geändert. Massiv.

Ein hübscher Porsche, weniger lädiert als das Unternehmen
Die augenblickliche Situation wird im aktuellen Manager Magazin folgendermaßen zusammengefasst: „Hinter den Kulissen in Stuttgart, Wolfsburg und Salzburg vollzieht sich dieser Tage schier Unglaubliches. Alles, was als unumstößlicher Baustein des Porsche-Erfolges galt, wackelt plötzlich. Finanz- und Autokrise scheinen die virtuos ausgeklügelte Strategie Wiedekings und Härters zu zerstören.“ (Heft 05/09, 39. Jahrgang: S. 31).
Auch der aktuelle Spiegel Nr. 18 wendet sich in einem Artikel dem scheiternden Plan zu: „“Wir drehen ein großes Rad“, sagte Wolfgang Porsche dem SPIEGEL noch im März, „aber wir sind sehr vorsichtig, wir gehen keine undurchschaubaren Risiken ein.“ Doch da war es schon zu spät. Der letzte Deal war ein fataler Fehler.“ (S. 93f). So vorsichtig waren die Akteure dann wohl doch nicht und die Risiken waren statt dessen offensichtlich undurchschaubarer als angenommen.
Immerhin: Porsche hat bis auf Weiteres die drohende Katastrophe abgewendet und braucht den Kredit von 10 Milliarden Euro erst in einem Jahr zahlen. Allerdings sollen 3,3 Milliarden zügig zurückgezahlt werden. Weitere 2,5 Milliarden, um die Porsche die Konsortialbanken gebeten hatte, werden nicht bewilligt und schließlich fordern die Banken einen Aufschlag von rund 5 Prozent auf den Basiszinsatz, so dass die effektiven Zinsen bei bis zu 9 Prozent lägen. Nichts davon war so geplant, genauso wenig, wie die miserable Entwicklung der Nettoliquidität von ehedem 2,4 Milliarden Euro Plus in 2005 hin zu einem Minus von 9,3 Milliarden in 2009.
Die jetzt angedachte Lösung sieht eine Fusion vor, VW und Porsche sollen zu einer neuen Holding verschmolzen werden. Das würde den größten Autokonzern der Welt bedeuten, elf Marken unter einem Dach. Sollte dieser Plan ebenfalls scheitern, sieht es übel aus.
Die Parallelen zu Schaeffler sind frappierend. In beiden Fällen
- waren die übernehmenden Unternehmen zuvor äußerst erfolgreich
- gab es eine trickreiche Übernahme-Strategie, die ein Kunststück unternehmerischer Planung und Raffinesse zu sein schien
- war das Ziel ein Megakonzern, der angeblich den zukünftigen Herausforderungen besonders gerecht werden sollte
Last not least: Das Zwischenergebnis ist jeweils eine Verschuldung im zweistelligen Milliardenbereich, der sowohl Schaeffler als auch Porsche das Genick brechen kann. Sicher ist im Moment nur eines: Der Plan hat - mal wieder - nicht so funktioniert, wie er gedacht war. Mit fatalen Folgen.
Eine amüsante Fußnote dieser Geschichte ist die Zukunft von Wendelin Wiedeking und Holger Härter. Härter war bekanntermaßen an der ausgebufften Strategie beteiligt gewesen und hatte es geschafft, dass Porsche mit Optionsgeschäften kurzfristig deutlich mehr Geld verdient hatte, als mit dem Verkauf seiner Autos. Dummerweise ist er jetzt mit seinen Bumerang-Tricksereien bei den Familien Piech und Porsche in Ungnade gefallen. Ähnlich wie wohl sein Chef. Wir können Wetten abschließen: Werden beide Porsche verlassen (müssen) oder nicht?
Herzliche Grüße
Andreas Zeuch
Einen passenden Weblog-Artikel zum Thema finden Sie hier.










April 29th, 2009 at 1:58 pm
Danke für den Kommentar bei mir - leider ist er druch die Neugestaltung der Site “durchgerauscht” und ich habe ihn neu erfassen dürfen.
Deshalb das neue Datum. Nur zur Info
Grüsse
Jürgen
Mai 5th, 2009 at 11:56 am
[...] zweites, noch aktuelleres Fallbeispiel ist Porsche und die Machtübernahme von VW. Auch in diesem Fall haben sich die Top-Manager und Strippenzieher mächtig verkalkuliert und das [...]
Mai 7th, 2009 at 5:44 pm
Problem ist die Selbstüberschätzung, der Größenwahn.
Bei Warren Buffett ist das nicht der Fall! Er ist der zweitreichste Mensch der Welt und gibt offen eigene Fehler zu. Welcher Manager kritisiert sich gerne selbst? – Ich kennen keinen! Buffett lebt ein schlichtes Leben, wohnt seit Jahrzehnten in dem gleichen Haus. Hat keine Pelze und keinen Porsche. Nur 100.000 Dollar Jahresgehalt. Buffett ist Kult.
Die großspurigen Manager können Sie vergessen.
Januar 14th, 2010 at 12:57 pm
Die Geschichte hat märchengleich ein gutes Ende gefunden, wie Herr Macht, der neue Chef bei Porsche Ende November 2009 feststellte, ist in der «industriellen Logik» alles richtig verlaufen.
Das Zitat aus dem Interview mit dem Deutschlandfunk lautet:
“Also erst einmal ist die industrielle Logik, die wir vor drei Jahren
ausgerufen haben, ja absolut erhalten geblieben. Wir haben immer gesagt:
Porsche wird eine Marke in einem integrierten Automobilkonzern werden
müssen. … ”
Das ganze Interview kann man hier anhören:
http://www.sinnkoppelung.de/?q=de/content/sinnvoll-wirtschaften-f%C3%BCr-einf%C3%A4ltige-1-porsche-chef-michael-macht