Die Gefahr der Krise: Nichts gelernt!
Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Zwischen diversen Umzugskisten sitzend, mein Schreibtisch und Notebook ist noch nicht eingepackt, möchte ich noch schnell über eine wirklich üble Entwicklung berichten:
An der Wall-Street zeigen sich wieder erste Anzeichen des alten Größenwahns. Der Spiegel schreibt: “Goldman Sachs schreibt Milliardengewinne, die Wall-Street schüttet hohe Boni aus, dubiose Finanszprodukte werden erneut in großem Stil gehandelt. Die Risiko-Banker sind wieder da, als hätte es die Wirtschaftskrise nie gegeben.“

Wall-Street: Es lebe die epistemische Arroganz!
Es wird wieder mit Nichtwissen gehandelt. Mit unkontrollierbaren Finanzinstrumenten unter der megalomanen Annahme, Finanzmathematiker und Computerprogramme könnten die Risiken einer selbst geschaffenen, hyperkomplexen Finanz- und Wirtschaftswelt kontrollieren. Der ehemalige Mathematikprofessor Gary Gorton hatte das für AIG einmal exemplarisch durchexerziert – mit dem beeindruckenden Ergebnis des “höchsten jemals von einem Unternehmen gemeldeten Quartalsverlust…: 61,7 Milliarden Doller, oder … 28 Millionen Dollar pro Stunde, und zwar in jeder Stunde der letzten drei Monate des Jahres 2008.” (Spiegel Nr. 29/2009: 56). So sieht Erfolg aus!
Wir erleben eine zerstörerische Kultur des Nichtwissens: Banker leiden unter dem tödlichen Virus der epistemischen Arroganz: Sie überschätzen Ihr Wissen maßlos und unterschätzen gleichzeitig Ihr Nichtwissen. Der – übrigens erfolgreiche – Trader und Wahrscheinlichkeitstheoretiker Nassim Nicholas Taleb hat diesen Begriff in seinem äußerst lesenswerten Buch “Der schwarze Schwan” geprägt. Es wird dringend nötig, diese Arroganz in eine epistemische Bescheidenheit zu verwandeln: Wir sollten öfters unser Wissen kritisch hinterfragen und davon ausgehen, dass unser Nichtwissen größer ist, als uns lieb ist.
Das schlimmst mögliche Ergebnis dieser Krise: Wir krempeln die Ärmel hoch und machen mit doppelter Kraft so weiter wie bisher. Zumindest an der Wall-Street sieht es so aus, als ob dieser Alptraum wahr werden würde. Dümmer und geldgeiler geht nicht. Das System der Anreize, Boni und des Kontrollwahns frißt seine Kinder.
Lesetipps
“Krisenbanker setzen wieder auf Risiko.” Spiegel Online, 15.07.2009
“Die kranken Banken“, Süddeutsche Zeitung online, 15.07.2009
“Der Schwarze Schwan. Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse.” Taleb, N. (2008): Hanser
“Management von Nichtwissen in Unternehmen” Zeuch, A. (2007): Carl-Auer










Juli 16th, 2009 at 11:16 am
Wenn Sie vom Nichtwissen der Bankier ausgehen, woher wissen Sie, dass Ihr Wissen über die Situation nicht Nichtwissen ist ?
Wieso ist Ihre Beurteilung “richtiger” als die der Bankier ?
Juli 19th, 2009 at 11:33 pm
Zum Thema “nichts gelernt” passt der Artikel “Inside The Great American Bubble Machine” von Matt Taibbi über Goldman Sachs hervorragend.
http://www.rollingstone.com/politics/story/28816321/the_great_american_bubble_machine
Goldman Sachs zieht weiter seine Runden, währendessen die Mehrheit weg schaut und sich eher für Fussball, Tennis und Radsport interessiert. Das hatten wir doch schon vor 2000 Jahren.
Unterdessen bahnt sich die nächste Krise unterstüzt durch die “Masters of the Universe”, die Ackerkings, wieder an. Es sei denn unser Wirtschaftssystem wird schnellstens radikal geändert. Ein Paradigmenwechsel ist nötig um die Wirtschaft in ihre Schranken zu weisen und den Menschen in den Mittelpunkt all unseres Schaffens stellen. Das Erkennen, “dass unser Nichtwissen größer ist, als uns lieb ist” wäre ein erster Schritt. Mehr Bescheidenheit bei unseren sogenannten Eliten wäre ein zweiter Schritt.
Juli 20th, 2009 at 9:20 am
Böse Wirtschaft, böse Bankier – naja. das schreibt ja nun wirklich jeder.
Das “wissen” scheinbar alle.
Vielleicht ist genau das, das “Nichtwissen” (über die wirklichen Zusammenhänge)
August 21st, 2009 at 4:06 pm
Also ich bin ja bekennender Nichtwisser, aber was ich weiß ist dass die Bankiere sich darüber beschweren, dass der Präsident deren Gehälter auf 500000$ im Jahr kürzen möchte. Das empfinde ich als absolute Frechheit. Derartige Menschen gibt es leider viel zu viele. Aus diesem Grund funktioniert das mit der Wirtschaft auch nie richtig. ABer naja ich bin ja sowieso nur ein Nichtwisser…
August 21st, 2009 at 4:12 pm
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was genau ist denn jetzt die Frechheit – die Gehaltsbegrenzung oder das sich einige Gierhälse aufregen?
HGAZ