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Die Effekte der Erwartung auf das Verhalten

November 18, 2009 Von: blog-zeuch Kategorie: Intuition 3 Kommentare →

Liebe Leserin, lieber Leser!

Heute gibt’s das vierte Pencast über den Zusammenhang diverser psychischer Mechanismen mit unserer Erwartungshaltung anderen Menschen gegenüber. Und welche Auswirkung diese Erwartung dann auf unsere Mitmenschen haben kann.

Dieses Pencast ist entstanden durch die Überlegungen zu einem Kapitel aus meinem kommenden Buch über Intuition in Unternehmen, das 2010 im April / Mai erscheinen wird.

Herzliche Grüße

Andreas Zeuch

Falsche Erinnerungen

August 09, 2007 Von: blog-zeuch Kategorie: Nichtwissen 5 Kommentare →

Liebe Leserin, lieber Leser!

Seit geraumer Zeit gibt es eine psychologische Debatte über so genannte „falsche Erinnerungen“. Dieser Begriff meint unbewusst verzerrte, erfundene oder suggerierte Erinnerungen an Ereignisse, die so, wie erinnert, nie stattgefunden haben. Na wenn das nicht zum Thema Nichtwissen passt!

Lassen wir all die Laborexperimente der forschenden Psychologen dieser Welt mal beiseite, denn hier in die Debatte einzusteigen scheint mir ein wenig zu aufwändig. Schließlich wäre es nicht damit getan, nur Befürworter wie die amerikanische Psychologieprofessorin Elisabeth F. Loftus zu Wort kommen zu lassen, sondern auch die berechtigten Kritiker. Denn schließlich hat die Debatte um falsche Erinnerungen einen großen Einfluss auf wichtige Fragen, wie zum Beispiel Zeugenaussagen oder die Richtigkeit erinnerter Missbräuche.

Ich schlage Ihnen heute lieber etwas Selbstreflexion vor: Wie sieht es mit unseren eigenen Erinnerungen aus? Wie zuverlässig sind sie? Was erinnern wir, was nicht? Welche Erinnerungen haben sich mit der Zeit möglicherweise verändert? Welche Geschichten, die wir uns und anderen über unser Leben erzählen, haben sich demzufolge auch geändert?

Ein paar einfache, ganz praktische Fragen: Was haben sie heute vor einer Woche gefrühstückt? Wenn Sie nicht jeden Morgen das gleiche essen und trinken (ein Bircher Müsli; ein Croissant mit einer Tasse schwarzem Kaffee; nichts und eine Zigarette etc.), wenn sie sich also mal so mal so entscheiden: Was war das dann vor einer Woche? Oder: Welche Kleidung hatten Ihre KollegInnen vor drei Tagen an?

Nun etwas grundsätzlicher gefragt, wenn Sie antworten konnten, also Erinnerungen haben: Sind sie sich sicher? Wie können Sie sich sicher sein? Wie unterscheiden sie eine „richtige“ von einer „falschen“ Erinnerung? Sie können sich schon vorstellen, worauf diese Problematik im Arbeitsleben hinausläuft. Natürlich ist es dabei meist wenig relevant, sich nicht mehr an die Kleidung der KollegInnen, MitarbeiterInnnen oder der Chefin zu erinnern. Weitaus bedeu- tungsvoller wird das Nichtwissen in Form falscher Erinnerungen oder allgemeiner gesagt: Irrtümer, wenn Sie an Meetings denken, Telefonkonferenzen, E-Mails (die sie gezielt oder aus Versehen schon gelöscht haben), kurze informelle Gespräche zwischen Tür und Angel oder Anrufe, deren Gesprächsinhalte sie während des Telefonats nicht sofort auf ein richtiges Verständnis überprüft und dokumentiert hatten und so weiter und so fort.

Mir sind zur Zeit keine wissenschaftlichen Untersuchungen über das Phänomen der falschen Erinnerung im Kontext von Arbeit und Business bekannt. Die Studien, die ich gefunden habe, widmen sich vorwiegend vier Bereichen:

1. Autobiografische Erinnerungen: Hier hat unter anderem Elisabeth Loftus geforscht. Zentral ist das „Falschinformationsparadigma“ dabei vor allem für die Erinnerung an traumatische Situationen, wie beispielsweise Unfälle oder sexuellem Missbrauch.

2. Zeugenaussagen: Gerichtsprozesse basieren häufig auf den Aussagen von Zeugen, die sich an irgend etwas erinnern, was für die Rekonstruktion des verhandelten Falles wichtig ist. Falsche Erinnerungen ziehen somit sofort schwerwiegende Fragen an die Bewertung von Aussagen in Gerichtsprozessen nach sich.

3. Historische Untersuchungen: Ähnlich wie es bei Zeugenaussagen vor Gericht dürfte es für Historiker schwer sein, die Korrektheit von Zeitzeugen zu belegen.

4. Psychopathologie: In der Lehre von psychischen Erkrankungen werden falsche Erinnerungen im Zusammenhang mit verschiedenen Krankheiten untersucht, z. B. dem „Korsakow-Syndrom“ als Folge langjähriger Alkoholabhängigkeit.

Wie korrekt erinnern Sie sich an nicht dokumentierte Ereignisse an ihrem Arbeitsplatz? Wie häufig waren Sie sich mit ihren KollegInnen, MitarbeiterInnen oder Vorgesetzten darüber uneinig und haben entweder lange diskutiert oder einfach eine Entscheidung getroffen, die möglicherweise im Widerspruch zu dem Stand, was zuvor bereits besprochen wurde?

Und gleich noch Mal sommerliche Grüße

Andreas Zeuch

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