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Der Eiermann – oder: Offener Brief an Wolf Lotter

Mai 31, 2010 Von: blog-zeuch Kategorie: Intuition 6 Kommentare →

Liebe Leserin, lieber Leser!

Im Mai erschien die brand eins mit dem Themenfokus “Irrationalität”. Das Heft wurde von Wolf Lotters Essay “Warten auf den Eiermann” eröffnet. Dieser Text ist nur eine vordergründig durchdachte Kritik am irrationalen Verhalten in unserer Gesellschaft und Wirtschaft. Bei genauerem Nachdenken (das Lotter berechtigt einfordert), zeigt sich jedoch, dass einige seiner Argumente ins Leere laufen, sachlich falsch oder nicht zu Ende gedacht sind. Als Form der Replik habe ich mich für einen offenen Brief an Herrn Lotter entschieden.

Demnächst veröffentliche ich in diesem Zusammenhang noch zwei Artikel von den Kollegen aus meiner beratergruppe sinnvoll·wirtschaften Gebhard Borck und Markus Stegfellner. Die beiden werden jeweils einen Beitrag liefern, wie Unternehmen und Organisationen alternativ zum bisherigen Vorgehen organisiert und geführt werden können.

Ihnen und Euch jetzt viel Spaß beim Lesen!

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Erklärunggsmodelle (2): Intuition & Erfahrungswissen

Mai 05, 2009 Von: blog-zeuch Kategorie: Erklärungsmodelle, Intuition 5 Kommentare →

Liebe Leserin, lieber Leser!

Es gab einiges an Resonanz zu dem vor kurzem veröffentlichten Blogbeitrag “Intuitive Empathie: Die Welt der Spiegelneurone“. Deshalb gibts jetzt einen weiteren Artikel über ein anderes, noch wichtigeres und wesentlicheres Erklärungsmodell intuitiver Entscheidungen: Das Erfahrungswissen, oder auch “implizites Wissen” oder im Englischen “tacit knowledge”:

1. Wie Erfahrungswissen Intuition erklären kann

1986 erschien ein bahnbrechendes Werk der Expertiseforschung: “Mind over Machine”, auf Deutsch wesentlich langweiliger betitelt mit “Künstliche Intelligenz. Von den Grenzen der Denkmaschine und dem Wert der Intuition”. Die beiden Brüder Hubert und Stuart Dreyfus berichteten darin von den Ergebnissen ihrer Expertenforschung. Sie untersuchten Schachmeister, Flugzeugpiloten, Autofahrer und Erwachsene, die eine zweite Sprache erlernt hatten. Selbst jetzt, 23 Jahre später, kann ich dieses Buch allen empfehlen, die sich für die Hintergründe intuitiver Entscheidungen interessieren.

Hubert Dreyfus

Hubert Dreyfus

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Wikipedia: Wie Nichtwissen multipliziert wird

November 28, 2006 Von: blog-zeuch Kategorie: Nichtwissen 4 Kommentare →

Natürlich kennen Sie Wikipedia. Wenn nicht, dann klicken Sie einfach hier und lernen sie dieses interaktive Lexikon im Internet kennen. Entdecken Sie, wie jedermann Begriffe wie „Intuition“ und tausende von anderen Wörtern mit definieren kann und darf.

Für mich ist dieses Phänomen einer kollektiv gestalteten Enzyklopädie unter der Perspektive von Nichtwissen außergewöhnlich interessant. Von den einen wird „Wiki“ (in der liebevollen Kurzform) als neue demokratische Form von Wissenserzeugung gefeiert, während andere dieses Vorgehen doch eher kritisch sehen. Um es vorwegzunehmen: Ich stimme natürlich beiden Seiten zu, ein deutliches sowohl als auch!

Wissen, Halbwissen & Gar-nicht-wissen
Die beiden Grundmechanismen, wie Nichtwissen entsteht, sind im Grunde einfach: Bei Wikipedia kann jeder sein „Wissen“ ins Netz stellen und wird dann von tausenden Interessierten gelesen. Auf welcher Grundlage dieses Wissen basiert, ist dabei völlig unerheblich. Schließlich besteht der Witz ja darin, dass man eben keine Eingangs-Expertenprüfung bestehen muss, um schreiben zu dürfen. Somit ist allen Bullshittern, Dilettanten und Möchtegern-Wissenden Tür und Tor geöffnet, ihr profundes Halb- oder Gar-nicht-wissen auf hochpotente Weise zu multiplizieren.

Darüber hinaus finden natürlich auch die üblichen Schlammschlachten von Kontrahenten statt, die die virtuelle Plattform als neue Bühne nutzen, um ihre Konkurrenzkämpfe auszufechten – Die Edit-Wars: Da werden Beiträge anderer gelöscht, Links verschwinden (ist mir selber passiert: irgendjemand hat penetrant immer wieder ein von mir gesetztes Link gelöscht) und anderer intelligenter Späße mehr. Sie sehen: Eine weitere Möglichkeit, Nichtwissen aktiv zu produzieren.

Offenheit: Schwäche und Stärke zugleich
Für Wikipedia spricht wiederum die aktive Erzeugung von Nichtwissen in von Experten kontrollierten Medien: Das, was der Experten- oder wissenschaftlichen Gemeinschaft gerade nicht in den Kram passt (oder ins Paradigma, um mit Thomas Kuhn zu sprechen), wird einfach ausgeblendet. Aus der (Wissenschafts-) geschichte kennen wir alle genügend Beispiele: Gallileo, Keppler, Kopernikus etc. Es gilt der Einfachheit halber die Palmström‘sche Weisheit: „Was nicht sein darf, das nicht sein kann“. Heute könnten Gallileo und Co. einfach ihre genialen Einsichten ins Netz stellen und jeder könnte sie lesen.

Da stellt sich nur die größte aller Preisfragen: Wie können wir in einem anarchisch strukturierten Internet Qualität sichern und destruktiv wirkendes Nichtwissen vermeiden?

Ihnen einen angenehmen November

Andreas Zeuch

Link zum Thema
Heinz Koch: Wikipedia und weltanschauliche Kämpfe

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