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Ein Fall von Nichtwissen (6): Kostenexplosion bei der Elbphilharmonie

Februar 03, 2010 Von: blog-zeuch Kategorie: Nichtwissen 8 Kommentare →

Liebe Leserin, lieber Leser!

Eine nicht enden wollende Geschichte ist die Kostenexplosion bei Groß- und Infrastrukturprojekten. Es ist ein wirklich herzerfrischender Hinweis auf die Unvollkommenheit von Planungsprozessen und Informationspolitik. Mal vorsichtig formuliert, konservativ, sozusagen. Denn würde Planung funktionieren, dürften ja nicht allerorten die Kosten und die Bauzeiten aus dem Ruder laufen. Tun sie aber. Ein etwas betagteres Beispiel ist die Elbphilharmonie in Hamburg, mittlerweile eine Mahnung an alle Planungswütigen des Berliner Flughafens. Dort glaubte man bis vor kurzem wider aller Fallbeispiele, dass man doch noch die Kontrolle zurückerhält.

Die offizielle Präsentation lautet wie folgt: “Hamburg erhält mit der Elbphilharmonie ein neues imposantes Konzerthaus, das einen der besten Konzertsäle der Welt beheimaten soll. Klassische Musik, aber auch Jazz-, Welt- und Popmusik bekommen einen herausragenden Aufführungsort. Die Elbphilharmonie wird ein neues Wahrzeichen für die Stadt und gleichzeitig ein Haus für alle sein. Der neue Gebäudekomplex wird drei Konzertsäle, ein Hotel mit Konferenzbereich, Wohnungen, eine Plaza auf 37 Metern Höhe und im Kaispeicher zahlreiche Parkplätze enthalten. Er entsteht nach Entwürfen der renommierten Schweizer Architekten Herzog & de Meuron.” (Quelle: http://elbphilharmonie-bau.de/index_html.php?typ=artikel&id=52)

Simulation der Elbphilharmonie

Simulation der Elbphilharmonie

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Ein Fall von Nichtwissen (5): Banalität kosten Millionen

Januar 19, 2010 Von: blog-zeuch Kategorie: Nichtwissen Noch keine Kommentare →

Liebe Leserin, lieber Leser!

Zur Abwechslung hatten wir im Dezember 2009 und im Januar 2010 mal wieder einen halbwegs stilechten Winter. Und der hat dann gleich zu Unplanmäßigkeiten geführt, die doch irgendwie erstaunlich sind.

1994 wurde der Eurotunnel zwischen Frankreich und Großbritannien fertiggestellt. Endlich war es möglich, den Kanal nicht nur per Fähre oder Flugzeug zu überqueren, sondern mit einem Zug zu unterqueren. Dazu wurde eigens der “Eurostar” als Hochgeschwindigkeitszug konzipiert und produziert. Die Querung, die per Fähre mehrere Stunden in Anspruch nimmt, war plötzlich in nicht einmal 40 Minuten möglich.

Der Eurostar, nicht immer so zügig unterwegs...

Der Eurostar, nicht immer so zügig unterwegs...

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Ein Fall von Nichtwissen (4): Porsche kommt ins Schleudern

April 28, 2009 Von: blog-zeuch Kategorie: Nichtwissen 4 Kommentare →

Liebe Leserin, Lieber Leser!

Droht gerade ein weiterer Fall von sinnloser Unternehmens-Zerstörung? Am 04. Februar 2009 habe ich die Situation von Schaeffler / Continental unter dem Blickwinkel mangelnder Prognosemöglichkeit, sprich Nichtwissen über die Zukunft, in diesem Blog thematisiert. Jetzt dräut am Horizont die nächste Megapleite eines ehedem äußerst blühenden deutschen Unternehmens, das Kult- und Vorzeigestatus hat. Und mit ihm galt der verantwortliche CEO Wendelin Wiedeking als der große Macher: 1994 – Manager des Jahres; 2007 – Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg; 2008 – European Manager of the Year, um nur einige Auszeichnungen zu nennen. Die Zeiten haben sich geändert. Massiv.

Ein hübscher Porsche, weniger lädiert als das Unternehmen

Ein hübscher Porsche, weniger lädiert als das Unternehmen

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Ein Fall von Nichtwissen (3): Cross-Border-Leasing

März 18, 2009 Von: blog-zeuch Kategorie: Nichtwissen 6 Kommentare →

Liebe Leserin, lieber Leser!

Sollten Sie noch nichts von sogenanntem CBL, dem “Cross-Border-Leasing”, gehört haben, unterscheiden Sie sich nicht allzusehr von einem Haufen Kommunalpolitiker, die in zahllosen Fällen CBL-Verträgen zustimmten und sie unterzeichneten – zum Teil, ohne die oft über 1000 Seiten starken Verträge jemals gesehen, geschweige denn verstanden zu haben.

CBL ist ein äußerst dubioses Verfahren, um aus scheinbar totem Kapital, wie Straßenbahn-Netzen, Müllverbrennungsanlagen, Wasserversorgungen etc. durch einen trickreichen Deal Geld in die Kassen der Kommunen zu spülen: Beispielsweise wird ein Straßenbahn-Netz an einen unbekannten (sic!) amerikanischen Investor verkauft und im selben Moment wieder gemietet. Durch diese Konstruktion war es bis 2004 möglich, einen Steuervorteil für den Investor zu bekommen. Der hat diesen Barwertvorteil dann in Teilen an die Stadt ausgezahlt. Danach gehört das verkaufte Objekt für 99 Jahre dem Investor und geht erst dann an die Stadt zurück. Soweit die Architektur dieses Wahnsinns.

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Ein Fall von Nichtwissen (2): Die Schaeffler-Pleite

Februar 04, 2009 Von: blog-zeuch Kategorie: Nichtwissen 6 Kommentare →

Liebe Leserin, lieber Leser!

Es scheint eine gewisse Ironie darin zu liegen, dass ich den zweiten Teil meiner Blog-internen Artikelreihe über Fälle von Nichtwissen wieder über die unglückliche und bislang ganz und gar nicht erfolgreiche Fusion der Schaeffler KG mit der Continental AG schreiben kann.

Im ersten Beitrag dieser Reihe stand Herr Wennemer, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Continental AG im Fokus. Diesmal lohnt ein Blick auf Frau Schaeffler und deren Vorsitzenden der Geschäftsleitung, Herrn Dr. Geißinger. Beim letzten Mal mutmaßte ich spaßenshalber, ob Frau Schaeffler die Idee mit der Anschleichtaktik intuitiv unter der Dusche oder beim Joggen hatte. Nun, so oder so: Eine besonderes brilliante Idee scheint es jedenfalls nicht gewesen zu sein. Egal ob bewusst kalkulierend oder intuitiv. Denn: Die internen Prognosen und Erwartungen, wie das Spiel laufen wird, sahen wohl Einiges nicht voraus.

Vorsitzender der Geschäftsführung der Schaeffler KG, Dr. Geißinger

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Ein Fall von Nichtwissen (1): Wennemer und die mathematische Sicht

September 05, 2008 Von: blog-zeuch Kategorie: Nichtwissen 1 Kommentar →

Liebe Leserin, lieber Leser!

Viele von Ihnen  wissen es es: Die Continental AG ist von der Schaeffler-Gruppe übernommen worden. Der Vorstandsvorsitzende Manfred Wennemer wurde durch die verdeckte Übernahmestrategie von Maria-Elisabeth Schaeffler offensichtlich auf dem linken Fuß erwischt. Er ahnte nichts in dieser Richtung.

Wennemer war intern und extern bekannt dafür, mathematisch nüchtern zu denken und zu handeln. Dies war einerseits sympathisch, nämlich da, wo Wennemer auf die für Top-Manager oft typische Lust auf Statussymbole verzichtete. Ihm reichte beispielsweise ein nicht mehr ganz taufrischer VW Passat als Firmenwagen, wo doch sonst nichts unter Mercedes S-Klasse, BMW 7er oder Audi A8 läuft.

MW

Manfred Wennemer auf der jährlichen Pressekonferenz 2008

Andererseits schien Wennemer nicht besonders empathisch beim Umgang mit seinem Personal, was sich auch in einer klaren Strategie von Stellenabbau zeigte. Auf diese Weise führte Wennemer die Continental AG in die schwarzen Zahlen und machte das Unternehmen profitabel, aber richtig sympathisch war er dennoch nicht.

Ob die Übernahme von Siemens VDO und damit die ungefähre Verdoppelung der weltweiten Mitarbeiteranzahl ein wirklich logischer und nachhaltiger Schritt war, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Wenn man indes davon ausgeht, dass – bei vorsichtigen Schätzungen – mindestens zwei Drittel aller Fusionen glorreich scheitern, dann bleiben eine Menge Fragen offen.

Nun aber kam es zu einer wirklich überraschenden Wendung im Schicksal von Herrn Wennemer und der Continental AG. Keiner hatte damit gerechnet, alle waren überrascht. Zumindest die, die in die übliche Richtung schielten: Groß frisst klein. Herr Wennemer ist ein weiterer Fall von Nichtwissen. Vielleicht hätte dem kühlen Mathematiker eine Prise Intuition geholfen. Vielleicht hatte ja Frau Schaeffler Ihre ungewöhnliche Idee plötzlich beim Joggen oder unter der Dusche. So oder so. Danke für dieses schöne Lehrstück an Überraschung!

Herzliche Grüße
Andreas Zeuch

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