Liebe Leserin, lieber Leser!
Viele von Ihnen wissen es es: Die Continental AG ist von der Schaeffler-Gruppe übernommen worden. Der Vorstandsvorsitzende Manfred Wennemer wurde durch die verdeckte Übernahmestrategie von Maria-Elisabeth Schaeffler offensichtlich auf dem linken Fuß erwischt. Er ahnte nichts in dieser Richtung.
Wennemer war intern und extern bekannt dafür, mathematisch nüchtern zu denken und zu handeln. Dies war einerseits sympathisch, nämlich da, wo Wennemer auf die für Top-Manager oft typische Lust auf Statussymbole verzichtete. Ihm reichte beispielsweise ein nicht mehr ganz taufrischer VW Passat als Firmenwagen, wo doch sonst nichts unter Mercedes S-Klasse, BMW 7er oder Audi A8 läuft.

Manfred Wennemer auf der jährlichen Pressekonferenz 2008
Andererseits schien Wennemer nicht besonders empathisch beim Umgang mit seinem Personal, was sich auch in einer klaren Strategie von Stellenabbau zeigte. Auf diese Weise führte Wennemer die Continental AG in die schwarzen Zahlen und machte das Unternehmen profitabel, aber richtig sympathisch war er dennoch nicht.
Ob die Übernahme von Siemens VDO und damit die ungefähre Verdoppelung der weltweiten Mitarbeiteranzahl ein wirklich logischer und nachhaltiger Schritt war, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Wenn man indes davon ausgeht, dass – bei vorsichtigen Schätzungen – mindestens zwei Drittel aller Fusionen glorreich scheitern, dann bleiben eine Menge Fragen offen.
Nun aber kam es zu einer wirklich überraschenden Wendung im Schicksal von Herrn Wennemer und der Continental AG. Keiner hatte damit gerechnet, alle waren überrascht. Zumindest die, die in die übliche Richtung schielten: Groß frisst klein. Herr Wennemer ist ein weiterer Fall von Nichtwissen. Vielleicht hätte dem kühlen Mathematiker eine Prise Intuition geholfen. Vielleicht hatte ja Frau Schaeffler Ihre ungewöhnliche Idee plötzlich beim Joggen oder unter der Dusche. So oder so. Danke für dieses schöne Lehrstück an Überraschung!
Herzliche Grüße
Andreas Zeuch
Home