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Nichtwissen: Too much information

September 28, 2009 Von: blog-zeuch Kategorie: Nichtwissen 3 Kommentare →

Liebe Leserin, lieber Leser!

Heute gibts das dritte Pencast über das Nichtwissen, das durch die anschwellende Datenflut erzeugt wird. Was hat die Zahl 5 mit 1050 mit 100 Jahren zu tun? Nun, hören und lesen Sie rein und Sie werden einige – wie ich finde – erschreckende Daten über den regelrechten Datentsunami erfahren, der auf uns alle zurollt…

Herzliche Grüße

Andreas Zeuch

Die Bedeutung liegt im Müll: Nichtwissen als Ressource

März 09, 2009 Von: blog-zeuch Kategorie: Nichtwissen 2 Kommentare →

Liebe Leserin, lieber Leser!

Der Fadenwurm ist ein wenig attraktiver Wurm, der so simpel gebaut ist, dass einige seiner Arten sogar stundenlang Temperaturen von rund minus 270 Grad in flüssigem Helium überleben können. Fadenwürmer verfügen über rund 20.000 Gene.

Fadenwurm

Fadenwurm

Aber was, bitte schön, hat der Fadenwurm nun mit Nichtwissen zu tun?

(weiterlesen …)

Mit dem Bauch sehen: Intuition in der deutschen Medizin

Juni 28, 2006 Von: blog-zeuch Kategorie: Intuition 1 Kommentar →

Im Juni war ich in einem Krankenhaus und habe mit Führungskräften aus der Pflege ein Intuitionstraining durchgeführt. Die Bedeutung der Fortbildung für die Arbeit wurde anschließend folgendermaßen bewertet, wobei die Skala von „sehr wichtig“ über „wichtig“ und „weniger wichtig“ bis zu „unwichtig“ reichte: 57% befanden die Veranstaltung als „sehr wichtig“ und 43% als „wichtig“. Niemand beurteilte die Arbeit an der eigenen professionellen Intuition für weniger oder gar unwichtig. Weiterempfehlen würden die Fortbildung 85%. Die verbleibenden 15% würden die Fortbildung lediglich deshalb eingeschränkt weiterempfehlen, weil sie zu kurz gewesen sei.

Die Kunst des Sehens
Diese Bewertungen scheinen mir zu einem kleinen Artikel zu passen, der vor kurzem im Spiegel Nr. 24 / 2006 vom 12. Juni zu lesen war: „Die Kunst des Sehens“ von Gerald Traufetter. Dort ging es um die Schulung der Beobachtungsgabe bei New Yorker Medizinstudenten. Zweifelsohne ist Beobachtungsgabe im Kontakt mit Patienten, Angehörigen und den Kollegen aller Professionen für Ärzte und Pflegepersonal gleichermaßen wichtig. Wie Traufetter zu Recht feststellt, werden Medizinstudenten (und Pflegeschüler) von einer Flut an neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen überrollt, die keinen Platz mehr lässt, die intuitive Beobachtungsgabe zu schulen.

Deutschland hinkt mal wieder hinterher
Das führte dazu, dass die findigen Amerikaner uns Deutschen mal wieder einen Schritt voraus sind: Da wo wir stolz sein können, endlich das Konzept der Standardisierten Patienten zumindest an einigen deutschen Unis eingeführt zu haben, wird in Amerika bereits an Kunstwerken unter der Führung von Kunstpädagogen der intuitive Blick geschult. Ich weiß wovon ich rede: Von 2001 – 2003 hatte ich die Ehre, das erste deutsche Pflichtmodul „Medi-KIT“ zur Arzt-Patient-Kommunikation am Uniklinikum in Heidelberg mitzuentwickeln und in das Reformcurriculum HEICUMED miteinzuführen. Wir rekrutierten und trainierten Schauspieler, die Patienten auf standardisierte Art mit verschiedenen Krankheitsbildern in Unterricht und Prüfungen simulieren. Nur wer die Prüfung bestand, kam ins nächste Semester.

Intuition ist für deutsche Medizin-Fakultäten kein Thema
Die Intuition und deren Professionalisierung war jedoch auch in HEICUMED nie Thema. Viele andere deutsche medizinische Fakultäten ringen immer noch mit sich, ihren Lehrkomitees, den Finanzen und bürokratischer Viskosität, um überhaupt erst einmal das Thema Kommunikation zu professionalisieren. Intuition ist in deutschen Lehrplänen noch Lichtjahre entfernt davon, für wichtig befunden zu werden.

Blinde Flecken
Dies entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Schließlich müssten Ärzte am besten wissen, dass ihre Entscheidungen und Handlungen immer auch von ihren Emotionen und Intuitionen beeinflusst werden. Das Intuition dabei vor- und nachteilig ist, wird schon seit vielen Jahren in diversen medizinischen und pflegerischen Studien ausführlich dargestellt. Wir dürfen deshalb als Patienten gespannt sein, wann sich diese wissenschaftliche Erkenntnis auf die Lehrpläne durchschlägt. Oder wollen Sie lieber von Ärzten diagnostiziert und behandelt werden, die sich weder mit dem Potential noch den Risiken ihrer Intuition beschäftigt haben?

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Nichtwissen

März 21, 2006 Von: blog-zeuch Kategorie: Nichtwissen 2 Kommentare →

Nichtwissen? Das klingt irgendwie nach Inkompetenz. Besonders wenn wir davon ausgehen, in einer Wissensgesellschaft zu leben, in der Wissen eine besonders wertvolle Ressource darstellt. „Nichtwissen“ erweckt dann den Eindruck, nicht up-to-date zu sein, seine Hausaufgaben nicht gemacht zu haben und seinen Verantwortungen nicht gerecht zu werden. Ist es das, worum es mir mit dem Begriff geht? Sie ahnen es: Natürlich nicht.

Die Kehrseite von Informationsflut: Nichtwissen
Zum Einen war Nichtwissen schon immer die unhintergehbare Kehrseite des Wissens. Wo Wissen geschaffen wird, entsteht immer neues Nichtwissen. Das entscheidende Moment liegt also nicht in einem qualitativen Unterschied zu früheren Zeiten, als noch mit Hand und Feder geschrieben wurde. Es ist die schiere Masse, die uns vor neue Aufgaben stellt. Nehmen Sie beispielsweise das Wort Nichtwissen, geben Sie es in Google ein und Sie erhalten sage und schreibe 2.230.000 Treffer in gerade mal 0,2 Sekunden (Stand: 21.März 2006). Beeindruckend, oder nehmen Sie diese Ungeheuerlichkeit schon gar nicht mehr wahr? Wer soll, wenn er oder sie sich für die Treffer interessiert, diesen Datenberg erklimmen? Wo verstecken sich die Juwelen im Heuhaufen nutzloser, manchmal sogar ärgerlicher Seitennennungen? Software-Entwickler haben darauf natürlich eine Antwort: Intelligente Algorithmen. Dadurch lassen sich einige Probleme mit Suchmaschinen lösen, aber nicht das grundsätzliche Problem.

Die Explosion von Fachwissen wird zum Risiko
In allen Fachdisziplinen wächst das Fachwissen (genauer: die dafür grundlegenden Daten) exponentiell. Experten, zum Beispiel Ärzte, können gar nicht mehr alles wissen, was ihre Disziplin an neuen Daten produziert – und damit ist nicht die Medizin im Allgemeinen gemeint, sondern deren Spezialisierungen, wie zum Beispiel Kardiologie oder Psychiatrie etc. Wie wollen wir zukünftig mit dem dadurch ent- stehenden Nichtwissen umgehen? Was soll mit den Studiengängen passieren? Sie können schließlich nicht unendlich verlängert werden, damit die Studenten auch nur halbwegs auf dem aktuellen Wis- sensstand kommen. Wie steht es mit Fortbildungen im Berufsleben? (Die werden verrückter Weise von vielen Firmen gerade reduziert, um die Rentabilität der Unternehmen durch diesen geistreichen Kniff kurzfristiger Kostensenkungen zu erhöhen.) Dies sind nur einige erste Fragen, die sich aus der angesprochenen Problematik ergeben.

Aber damit nicht genug. Nichtwissen wird auch noch aus anderen Gründen ein zunehmend wichtigeres Phänomen:

Uneindeutigkeit: Im Alltag gehen wir davon aus, dass wir Daten nur interpretieren müssen um zu einem logischen Ergebnis zu kommen. Aber trifft dies tatsächlich zu? Denken Sie einfach mal an die vielen ver- schiedenen Pro und Contraargumente im Falle von Atomkraftwerken, gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln, Nanotechnologie und bei ehemaligen Skandalen wie BSE. Erweckt das noch den Eindruck einer klaren Sachlage, nach der man wissentlich nur eine Entscheidung treffen kann?

Pseudorationalität: Kurzum, wir tun so, als handele es sich bei Rationalität um eine Form, die wir in westlichen Gesellschaften teilen würden. Das ist jedoch genauso illusionär wir eine 2005 angekündigte „Politik aus einem Guss“. Wo viele Köche mitmischen, wird häufig der Brei verdorben. Wissenschaftssoziologen sprechen in diesem Zu- sammenhang von verschiedenen „kognitiven Stilen“ oder „epis- temischen Kulturen“. Was dem einen logisch erscheint, kann der an- dere nicht mehr nachvollziehen.

Was ist Wissen? Und noch viel grundlegender: Was ist überhaupt „Wissen“? Und für wen soll dieses Wissen „relevant“ sein? Zu Frage eins: Wer hat die Deutungshoheit darüber, was wann warum wie als Wissen definiert wird? Zu Frage zwei: Für viele sind bestimmte Wissensbestände noch nie relevant gewesen und damit auch als Wissen überflüssig. Für wen sind althebräische Forschungen relevant?

Relevanz:
Es reicht aber auch nicht, sich darüber zu einigen, was relevantes Wissen ist: Wir müssen auch wissen, wann es brauchbares Wissen ist. Es gibt Zeitfenster für die Anwendung von Wissen. In weiser Voraussicht erfanden die Griechen dafür Kairos, den Gott des günstigen Augenblicks. Aber was tun wir, wenn wir uns nicht an ihn wenden wollen?

Interaktion: Neue Arbeitsformen wie virtuelle Teams und Remote Management führen dazu, dass sich die Protagonisten häufig nicht mehr persönlich kennen und doch zusammen arbeiten sollen. Was wissen sie übereinander? In welche Kompetenzen der Kollegen können sie vertrauen? Und vor welchen Problemen müssen sie sich hüten?

Diese Punkte verdeutlichen meiner Meinung nach den ungefähren Umfang der Probleme und Aufgaben, die zukünftig durch Nichtwissen entstehen werden. Andererseits kann diese ohnehin vorhandene Komplexität noch dadurch angereichert werden, dass wir Nichtwissen auch als Ressource wahrnehmen.

Nichtwissen als Ressource
In einer eigenen Studie befragte ich die Geschäftsführer drei ver- schiedener Unternehmen zum Thema Nichtwissen. Erstaunlicherweise ergab sich bei allen, dass Nichtwissen auch als Ressource wahr- genommen wird. „Wie das?“, werden Sie jetzt vielleicht fragen. Ein Beispiel soll reichen (die Studie wird im Frühjahr 2007 in meinem neuen Buch „Keine Ahnung!? Nichtwissen in Unternehmen“ veröffentlicht): Ein Softwareentwickler bietet Auszubildenden eine wöchentliche Frage- runde an, in denen diese die konstruktive Lernkultur der Firma nutzen können. So wird Nichtwissen zum Vehikel für Networking.

Was meinen Sie zum Thema Nichtwissen? Ich freue mich über Ihre Kommentare.

Herzlich,

Andreas Zeuch

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