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… sinnvoll Wirtschaften ist möglich!
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Die nachhaltige Ökonomie – Eine Replik

Januar 31, 2013 Von: blog-zeuch Kategorie: , Diverses, Veränderung 6 Kommentare →

Liebe Leserinnen und Leser,
heute hatte ich einen kurzen Gedankenaustausch bei Twitter mit Alexander Rossner vom zukunftswerk. Es ging dabei um die Frage, welche Form alternativer Ökonomien tatsächlich unterm Strich öko-sozial nachhaltig sind. Ich pointierte dies, indem ich die Frage stellte, ob eine echte Nachhaltigkeit letztlich nicht nur durch eine Postwachstumsökonomie erreicht werden kann. Alex antwortete auf meine 140Zeichen Twitter Frage mit einem guten Artikel auf dem Blog des zukunftswerks. Auf diesen Artikel möchte ich hier in diesem Post eingehen.

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Wie wir Mitarbeiter demotivieren und Geld verschwenden

Mai 10, 2012 Von: blog-zeuch Kategorie: Arbeit, Die 5 Prinzipien 2 Kommentare →

Liebe Leserin, lieber Leser!

Am 07.05.2012 veröffentlichte ich den neuen Artikel “Intuition statt Top-Down” beim Online-Magazin CFO World. Dort verwies ich unter anderem auf drei Studien, die unabhängig voneinander klarstellen, dass es um die Arbeitszufriedenheit und Motivation der meisten Mitarbeiter in Deutschland reichlich schlecht bestellt ist. Bislang gab es in diesem Blog keine Auflistung dieser und weiterer wissenschaftlicher Untersuchungen dazu. Das möchte ich hiermit nachholen. In diesem Artikel findet Ihr kompakte Infos über die Studien und Ihre Ergebnisse mit entsprechenden Verlinkungen. Jeder der will, kann diesen Artikel als Argumentationshilfe nutzen und mit eigenen Arbeiten verlinken.

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Wirtschaftswachstumswahnsinn

Mai 10, 2010 Von: blog-zeuch Kategorie: Die 5 Prinzipien 15 Kommentare →

Liebe Leserin, lieber Leser!

Ich gehe davon aus, dass wir uns einig sind: Die Welt wird immer komplexer und dynamischer. Damit geht eine Zunahme an Erklärungsmodellen einher, wie welche Phänomene entstehen und wir ihnen begegnen sollten. Und so nimmt es nicht Wunder, dass wir nicht eindeutig entscheiden können, was im jeweiligen Fall die vielversprechendste (von “richtig” will ich gar nicht reden) Verhaltensvariante ist. Das spiegelt sich auch darin wieder, dass in der gesellschaftlichen und politischen Landschaft unzählige Ansichten über alles Mögliche kursieren.

Nur in einem Punkt herrscht eine seltsame und irgendwie befremdliche Einheit: Wir brauchen Wirtschaftswachstum wenn wir unseren Wohlstand halten und Arbeitsplätze sichern oder gar schaffen wollen. Zur Abwechslung sind sich alle Parteien einig: Schwarz, Rot, röter, grün, gelb (und vermutlich auch braun). Damit nicht genug. Diese Einigkeit ist auch noch zwischen Gewerkschaften und Unternemensführern bzw. Management zu finden, wo doch sonst eher zwanghafte Differenzen zu vernehmen sind. Letztlich lässt sich diese Konsensdenke nicht einmal von Landes- oder Kulturgrenzen aufhalten. Das Paradigma des Wirtschaftswachstums ist ein transkulturelles Phänomen. Ebenso in Europa wie in Nord- und Südamerika zu finden, in Russland, Afrika und Asien. Der universelle Chor lautet: Wir müssen wachsen! Und sollte die Wirtschaft mal stagnieren oder schrumpfen, nennen wir es “Nullwachstum” oder “Negativwachstum”. Hauptsache wir bedröhnen uns mit dem Begriff “Wachstum”.

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Kreativitäts-Experiment: Nichtwissen als Ressource

Januar 28, 2009 Von: blog-zeuch Kategorie: Nichtwissen 3 Kommentare →

Liebe Leserin, lieber Leser!

1976 veröffentlichten die beiden Kreativitätsforscher Jacob Getzels und Mihaly Csikszentmihalyi ein äußerst interessantes Experiment über die Bedeutung von Nichtwissen als Ressource. Die beiden gingen in das Art Institute of Chicago und präsentierten den dortigen Kunststudenten diverse Gegenstände. Sie sollten sich einen oder mehrere heraussuchen und dann ein Stillleben malen.

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Ein Curriculum medizinischen Nichtwissens

September 06, 2006 Von: blog-zeuch Kategorie: Nichtwissen Noch keine Kommentare →

Wie schon bei meinem Beitrag „Mit dem Bauch sehen“ kommt einmal mehr ein innovativer Ansatz aus den USA: Diesmal zum Umgang mit Nichtwissen in der Medizin.

Nichtwissen als Leitgedanke
Die Medical School der Universität von Arizona veranstaltet ein „Curriculum on Medical Ignorance“ in Verbindung mit dem „Summer Institute on Medical Ignorance“. Ja, Sie haben richtig gelesen. Es handelt sich um keinen Scherz von mir, und damit Sie sich selbst überzeugen können, hier die entsprechenden Links:

In einem hoch wissensbasierten Tätigkeitsfeld wie der Medizin, in der selbst die einzelnen Fachdisziplinen wie Neurologie, Kardiologie und Pädiatrie durch die Fachärzte nicht mehr in ihrem gesamten Umfang gewusst werden können, entsteht permanent neues Nichtwissen. In der deutschen Medizin wird diese Tatsache bislang ignoriert. Nichtwissen wird aus der Agenda wichtiger Probleme ausgeblendet, so dass Nichtwissen über Nichtwissen mehr oder weniger aktiv erzeugt wird. Das es auch anders geht und Nichtwissen ein innovationsförderlicher Prozess werden kann, zeigen die Leiter des Curriculum on Medical Ignorance.

Nichtwissen wird zur Quelle von Innovationen
Am Anfang einer jeden neuen Entwicklung stehen Fragen und – etwas pathetischer formuliert – Erstaunen. Wissen, also Antworten, sind das Ergebnis und nicht der Ausgangspunkt. Wenn sich Pasteur nicht über die Pilzkulturen in seinen Reagenzgläsern gewundert hätte und sich nicht die richtigen Fragen gestellt hätte, hätten wir heute vermutlich nicht das Penicillin.

Deutscher Mangel
Das Medizinstudenten durch das Studium näherungsweise auf den jeweiligen Stand des Wissens gebracht werden, ist die Voraussetzung ihrer späteren ärztlichen Tätigkeit. Dazu dienen bei uns in Deutschland im Bereich von Faktenwissen vor allem Klausuren im Multiple Choice Verfahren: Auf eine Frage gibt es mehrere mögliche Antworten, wobei verschiedene Kombinationen richtig sein können. Eine Antwort, mehrere Antworten oder alle oder keine Antwort. Prozesswissen wird mittlerweile vorwiegend durch sogenannte „OSCE“-Prüfungen erhoben (Objective Clinical Structured Examination, die übrigens – welch Überraschung – ebenfalls aus dem anglo-amerikansichen Raum kommen). Was aber wird getan, damit die StudentInnen erstens lernen, mit ihrem zwangsläufig immer wieder auftauchenden Nichtwissen umzugehen und zweitens, um effektives Fragen zu erlernen? Die leidige Antwort: Bislang fast nichts. In kompetenzbezogenen Lehrveranstaltungen, beispielsweise zur Arzt-Patient-Kommunikation oder körperlichen Untersuchung, taucht Nichtwissen natürlich immer wieder auf, wird aber möglichst schnell durch entsprechende Antworten beseitigt. Nichtwissen als eigenständiges Phänomen wird nicht berücksichtigt. Die leitenden Fragen in den Doktorarbeiten sind häufig vom jeweiligen Doktorvater formuliert. Der sucht dann meist nur noch einen Studenten, um die Hausaufgabe zu erledigen, diese Fragen in prüfbare Hypothesen zu gießen und passende Methoden zu finden und durchzuführen.

Transfer in die Wirtschaft
Somit stellt das Curriculum on Medical Ignorance eine intelligente Lösung dar. Sie kann über die Problematik medizinischer Ausbildung hinaus auch für Unternehmen ein Vorbild im Umgang mit Nichtwissen sein. Denkbar wären zum Beispiel Communities of Practice, die das Nichtwissen einer Firma dauerhaft in einem angemessenen Rahmen thematisieren. Auf diese Weise könnte Nichtwissen ressourcenschonend durch ein selbstorganisiertes Verfahren bearbeitet werden. Diese regelmäßigen Veranstaltungen könnten durch punk- tuelle Nichtwissens-Konferenzen oder –Meetings ergänzt werden, in denen beispielsweise projektbezogenes Nichtwissen erörtert wird: Was ist relevantes, was irrelevantes Nichtwissen, welche Fragen sind leitend, was wurde übersehen? Wie würden Sie vorgehen?

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Intuition querbeet

April 04, 2006 Von: blog-zeuch Kategorie: Intuition Noch keine Kommentare →

Vor kurzem fand ich im Spiegel Online den Artikel „Winkelzüge für Profis“ über die Spieltheorie in der Wirtschaftswelt. Dort kann man unter anderem folgendes lesen: „Allerdings handeln Menschen mitnichten so, wie es die Modelle der Spieltheorie als Optimum vorgeben. Ständig funken scheinbar irrationale Verhaltensweisen dazwischen.“ Ein paar Abschnitte später berichtete der Autor Michael Leitl vom Harvard Businessmanager, dass zwei Professoren tatsächlich an der Theorie des allseits egoistischen und vor allem hundertprozentig rationalen Homo Oeconomicus zweifeln würden – und einen Alternativentwurf suchen.

Illusion Homo oeconomicus
Immerhin, mittlerweile wird Kritik an diesem idealtypischen Menschenverständnis auch in wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten laut. Verwunderlich daran scheint mir jedoch, mit welcher Hartnäckigkeit das Offensichtliche bislang ignoriert wurde: Menschen agieren nicht rational, auch nicht in wirtschaftlichen Kontexten. Reinhard Sprenger brachte das in seiner typischen Weise etwa folgendermaßen auf den Punkt: „Es ist doch schon lange klar, dass Unternehmen kein Hort betriebswirtschaftlicher Rationalität sind.“ Mit anderen Worten: Wenn wir uns und unsere Mitmenschen (selbst-)kritisch beobachten würden, könnten wir nur zu einem Ergebnis kommen: Der Homo oeconomicus ist eine lächerliche Illusion. Und selbst wenn er sich noch so bemühen würde, seine Emotionen und Irrationalitäten auszusperren, sie kämen doch nur durch die Hintertür des Lebens wieder rein: Ein Entrinnen vor Emotionen, Irrationalitäten, Zufällen – und Intuition – ist nicht möglich. Last call for Passenger Faber.

Klischee “Aus dem Bauch gegen die Wand”
Intuition ist also auch ein zentraler Bestandteil ökonomischer Professionalität: Entscheidungen und Handlungen im Management werden nicht unter Ausschluss unserer Gefühlswelt und unserer nebulösen Intuition getroffen. Dass dem so ist, scheint sich langsam herumzusprechen. Aber meist wird dies noch als Defizit betrachtet, wie ein wunderbar polemischer Titel des Schweizer Managementexperten Prof. Dr. Malik illustriert: „Aus dem Bauch gegen die Wand.“ (Handelsblatt vom 26.10.2001, K3) Oder wie der Bielefelder Soziologieprofessor Helmut Willke schreibt: „Wenn empirisch hinreichend belegt wäre, dass die Brauchbarkeit organisationaler Strategie und Projekte weniger vom „Bauchgefühl“ von Vorständen und charismatischen Führern abhängt als von der vernetzten Expertise von Wissensarbeitern, dann müsste die hierarchische Grundstruktur der Organisationslogik der Industriegesellschaft ins Wanken geraten.“ (Willke 2002: 142) Intuition wird zur Fehlerquelle oder mikropolitischer Egozentrik reduziert und es bleibt nicht allzu viel Gutes an ihr. Im Falle von Willke darf man sich noch fragen, wie er die hinreichend belegte wissenschaftliche Erkenntnis verarbeitet, dass gerade Expertise in besonderem Zusammenhang zu Intuition steht. Je größer die Expertise, desto intuitiver die (Selbst-)Steuerung! Wir hätten es also genaugenommen mit einem Netzwerk von intuitiven Experten zu tun. Meines Erachtens würde diese Einsicht die viel fundamentalere Wandlung nach sich ziehen. Dazu werde ich mich in diesem Blog ausführlich äußern.

Neben dieser Kritik an Intuition im Business gibt es einiges, was sie leisten kann und was von manchem offensichtlich nicht gesehen oder verschwiegen wird. Hier ein paar Anwendungsfelder – so wie ich sie bis vor kurzem aufführte, seit 2009 sehe ich das etwas anders…:

Anpassungsintelligenz und Flexibilität: Führungskräfte müssen auf die immer schnelleren Veränderungen Ihrer Umwelt zu reagieren. Aber wie hilfreich sind die bereits vorhandenen Steuerungsinstrumente dafür?

Beziehungsmanagement: Kommunikation sollte erfolgreich und motivierend gestaltet werden. Aber wie ist das möglich? Reicht es, rhetorische Techniken abzuhaken?

Entscheidungsfindung: Manager müssen täglich Entscheidungen treffen. Aber was tun sie, wenn sie zu wenige oder zu viele Informationen haben? Werfen Sie eine Münze? Oder hören sie lieber auf ihr professionelles Gefühl?

Geschäftsinstinkt: Unternehmer, Manager und Führungskräfte müssen zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Die Griechen erfanden dafür den Gott Kairos – aber hilft der Ihnen?

Innovation: Hier hilft ein Blick in die Kunst: Wie kam es zu der enormen Kreativität von Mozart, Picasso oder Einstein? Nutzten sie Kreativitätstechniken oder waren sie vielmehr intuitive Meister ihres Fachs, die Ihr Handwerk beherrschten und daraus schöpften? Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang „Sinn“ und „Wahrhaftigkeit“?

Verkauf und Vertrieb: Produkte müssen an die Kunden gebracht werden. Aber wie steigern die Verantwortlichen ihren Absatz, wenn sie schon alle Verkaufstechniken kennen, aber trotzdem mit Kunden Probleme haben? Besuchen sie noch mehr und noch teurere Sales-Trainings?

Wissensmanagement: In unserer Wissensgesellschaft ist das Management von Wissen zu einer zentralen Aufgabe geworden. Neben vielen Fragen sticht eine besonders hervor: Wie transferiert man implizites Wissen von einer Person zu anderen, z.B. im Fall von ausscheidenden, langjährigen Mitarbeitern?

Zukunftsgestaltung: Da aufgrund der Globalisierung Märkte immer komplexer und dynamischer werden, spielt die Zukunftsgestaltung eine zunehmend wichtigere Rolle. Wie können sich Top-Manager auf ihre unternehmerische Zukunft vorbereiten, wo doch Zukunft prinzipiell nicht wissbar ist?

Dies sind sicherlich wichtige aber vermutlich noch nicht alle Aufgabenfelder, in denen Intuition als professionelle Kompetenz hilfreich sein kann. Wir befinden uns erst am Anfang dieser Entwicklung und dürfen gespannt sein, was noch folgt.

Herzliche Grüße aus Heidelberg

Andreas Zeuch

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  • Malik, F. (2001): Aus dem Bauch – gegen die Wand. Handelsblatt, 26.10.201, K3
  • Willke, H. (2002): Dystopia. Studien zur Krisis des Wissens in der modernen Gesellschaft. Frankfurt: Suhrkamp

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