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Nichtwissen durch sensationelle Faulheit

April 15, 2008 Von: blog-zeuch Kategorie: Nichtwissen 10 Kommentare →

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Gestern abend las ich in dem Buch “Die Google-Falle” von Gerald Reischl. Auf Seite 80-81 war zu lesen, das sich satte 91,63 Prozent der Internet-User mit der ersten Trefferseite eines Suchmaschinen-Ergebnisses begnügen würden. “Auf die erste Position klicken fast 50 Prozent, auf die zehnte Stelle zum Vergleich nur noch drei Prozent der User.” (a.a.O.). Das ist – wie ich finde – erschreckend.

Nun würde der Wissenschaftler in mir erst mal fragen: Wie groß war denn die Stichprobe, aus der diese Ergebnisse stammen und wie ist sie zustande gekommen? Aber tun wir mal so, als ob alles optimal gelaufen sei, die Stichprobe sei ausreichend groß, um ein generalisierbares Ergebnis zu liefern und sie sei ausreichend allgemein hinsichtlich der User-Struktur (also Alter, Geschlecht, Bildung, Staatsbürgerschaft, sozialer Hintergrund etc.).

Fotografie: Andreas Zeuch, (C) 2007 – Die gemeine Faulkrähe…

Wenn dem so wäre, dann würde ich sagen: Erschreckend, wie Nichtwissen durch wirklich erbärmliche Faulheit aktiv erzeugt wird. Denn: Wäre es soviel Arbeit, noch auf die nächsten 20 – 30 Suchergebnisse zu schauen? Welches Selbstverständnis zum Thema “Recherche” herrscht denn bei den Menschen, die in dieser Statistik beschrieben werden? Und das in unserer angeblichen “Wissensgesellschaft”…

Bleibt zu hoffen, dass Manager und Führungskräfte nicht dieses Suchverhalten zeigen und sich selbst derart in ihrem Wissen beschränken. Wenn doch: Dann gibt es einen Grund mehr, warum so manches Unternehmen nicht so floriert, wie es könnte.

Herzliche Grüße
Andreas Zeuch

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Wikipedia: Wie Nichtwissen multipliziert wird

November 28, 2006 Von: blog-zeuch Kategorie: Nichtwissen 4 Kommentare →

Natürlich kennen Sie Wikipedia. Wenn nicht, dann klicken Sie einfach hier und lernen sie dieses interaktive Lexikon im Internet kennen. Entdecken Sie, wie jedermann Begriffe wie „Intuition“ und tausende von anderen Wörtern mit definieren kann und darf.

Für mich ist dieses Phänomen einer kollektiv gestalteten Enzyklopädie unter der Perspektive von Nichtwissen außergewöhnlich interessant. Von den einen wird „Wiki“ (in der liebevollen Kurzform) als neue demokratische Form von Wissenserzeugung gefeiert, während andere dieses Vorgehen doch eher kritisch sehen. Um es vorwegzunehmen: Ich stimme natürlich beiden Seiten zu, ein deutliches sowohl als auch!

Wissen, Halbwissen & Gar-nicht-wissen
Die beiden Grundmechanismen, wie Nichtwissen entsteht, sind im Grunde einfach: Bei Wikipedia kann jeder sein „Wissen“ ins Netz stellen und wird dann von tausenden Interessierten gelesen. Auf welcher Grundlage dieses Wissen basiert, ist dabei völlig unerheblich. Schließlich besteht der Witz ja darin, dass man eben keine Eingangs-Expertenprüfung bestehen muss, um schreiben zu dürfen. Somit ist allen Bullshittern, Dilettanten und Möchtegern-Wissenden Tür und Tor geöffnet, ihr profundes Halb- oder Gar-nicht-wissen auf hochpotente Weise zu multiplizieren.

Darüber hinaus finden natürlich auch die üblichen Schlammschlachten von Kontrahenten statt, die die virtuelle Plattform als neue Bühne nutzen, um ihre Konkurrenzkämpfe auszufechten – Die Edit-Wars: Da werden Beiträge anderer gelöscht, Links verschwinden (ist mir selber passiert: irgendjemand hat penetrant immer wieder ein von mir gesetztes Link gelöscht) und anderer intelligenter Späße mehr. Sie sehen: Eine weitere Möglichkeit, Nichtwissen aktiv zu produzieren.

Offenheit: Schwäche und Stärke zugleich
Für Wikipedia spricht wiederum die aktive Erzeugung von Nichtwissen in von Experten kontrollierten Medien: Das, was der Experten- oder wissenschaftlichen Gemeinschaft gerade nicht in den Kram passt (oder ins Paradigma, um mit Thomas Kuhn zu sprechen), wird einfach ausgeblendet. Aus der (Wissenschafts-) geschichte kennen wir alle genügend Beispiele: Gallileo, Keppler, Kopernikus etc. Es gilt der Einfachheit halber die Palmström‘sche Weisheit: „Was nicht sein darf, das nicht sein kann“. Heute könnten Gallileo und Co. einfach ihre genialen Einsichten ins Netz stellen und jeder könnte sie lesen.

Da stellt sich nur die größte aller Preisfragen: Wie können wir in einem anarchisch strukturierten Internet Qualität sichern und destruktiv wirkendes Nichtwissen vermeiden?

Ihnen einen angenehmen November

Andreas Zeuch

Link zum Thema
Heinz Koch: Wikipedia und weltanschauliche Kämpfe

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