Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Haben Sie ein Handy? Vemutlich. Wissen sie, wie es funktioniert? Oder der Motor Ihres Autos, oder, einfacher, ihr Festnetz-Telefon? Wenn Sie jetzt frank und frei sagen (und zwar nicht nur, während Sie alleine vor ihrem Bildschirm sitzen und diese Zeilen lesen): “Nein, keine Ahnung.” – Dann gehören Sie zu einer Minderheit.
Die meisten Menschen sind davon überzeugt, dass ihr Verständnis von komplizierten oder sogar komplexen Zusammenhängen viel weiter reicht, als es tatsächlich der Fall ist. Dieses Phänomen untersucht der amerikanische Entwicklungspsychologe Frank Keil von der Yale University. Er nennt es die “Illusion of Explanatory Depth”, die Illusion der Erklärungstiefe.
Im Normalfall ist das kein Problem. Höchstens etwas peinlich, wie sich da die meisten Menschen überschätzen (warum eigentlich?). Allerdings wird es sehr wohl zum Problem, wenn sich Menschen im Rahmen ihres beruflichen Handelns ebenfalls für schlauer halten, als sie es tatsächlich sind. Der Bamberger Psychologe Dietrich Dörner hat dies untersucht:
In Computersimulationen hat er Manager eine virtuelle Schokoladenfabrik leiten lassen. Solange alles im grünen Bereich und nach bekannten Spielregeln läuft, schlagen sich die Manager ganz tapfer, auch mit Modellen, die nicht allzuviel mit der Realität zu tun haben. Anders aber, wenn unvorhergesehene Ereignisse eintreten. Wenn “Kunden nur noch Bio-Schokoloade mögen, erstarren sie in Hilflosigkeit, anstatt die Firma den neuen Bedingungen anzupassen”, so Dörner.
Wir sind also noch weit entfernt, von der nicht so besonders überwältigenden Einsicht, dass wir viel weniger wissen, als wir glauben. Bescheidenheit tut not, ist aber noch in den meisten Köpfen ein Fremdwort. Indes ist es aus meiner Sicht ein zentraler Bestandteil einer konstruktiven Kultur des Nichtwissens, für die ich plädiere.
Herzliche Grüße
Andreas Zeuch
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