Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Heute entführe ich Sie ins Reich des „Metamodells“ der Sprache. Dieses Modell dient unter anderem der Informationserhebung: Sprache führt zwangsläufig immer zu Tilgungen von Informationen, zu Generalisierungen und Verzerrungen. Mit Hilfe des Metamodells ist es möglich, die unter der Oberfläche einer Formulierung liegenden Informationen zu entdecken.
Tilgungen: In vielen Formulierungen tilgen wir (zwangsläufig) einige Informationen, da wir nicht in jedem Satz vollständige Informationen erzeugen können und wollen: „Es wurden Fehler gemacht.“ tilgt die Information, wer die Fehler gemacht hat. Oder die Aussage eines Einkäufers „das ist zu teuer“ lässt offen, im Vergleich wozu etwas zu teuer ist.
Generalisierungen: Eine andere Art Nichtwissen durch Sprache zu erzeugen sind Verallgemeinerungen wie die berühmte Killerphrase „das haben wir schon immer so gemacht“ – da entsteht schnell die Frage, ob es tatsächlich immer so war, oder ob es nicht doch Ausnahmen gegeben hat. Oder: „Wir müssen die Kosten senken“ – da bleibt offen, warum das tatsächlich notwendig ist und wie weit sie gesenkt werden müssen.
Verzerrungen: Wenn Sie sagen würden, „ich habe zu viel Stress“, bleibt offen, wodurch Sie sich stressen lassen und was Sie dazu beitragen, so in Stress zu geraten. Oder wenn Sie sich über einen Mitarbeiter, Geschäftspartner oder Kunden beklagen „er macht mich sehr aggressiv“ ist unklar, wie genau das passiert und wieso Sie sich aggressiv machen lassen.
Der Witz an unserer Sprache liegt somit darin, dass wir immer zugleich Wissen und Nichtwissen erzeugen. Wir können gar nicht anders. Tilgungen, Generalisierungen und Verzerrungen sind somit nicht per se schlecht; sie sind ein natürlicher Bestandteil. Aber wir müssen uns im Klaren darüber sein, dass wir nicht Informationen erzeugen, sondern eben auch Informationen tilgen. Das ist natürlich dann besonders wichtig, wenn es um Fragen von großer Tragweite geht.
Herzliche Grüße
Andreas Zeuch
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