Liebe Leserin, lieber Leser!
Mit diesem Beitrag will ich Ihnen einige kurze Statements von Vorständen und Geschäftsführern bekannter deutscher Unternehmen vorstellen. Alle Zitate sind Ausschnitte aus umfassenderen Gesprächen die ich oder meine Kollegin Jutta Herzog mit diesen Managern führte und die Sie in meinem Buch „Management von Nichtwissen in Unternehmen” finden.
„Sein Nichtwissen zu kaschieren, das gehört für mich eher auf die Schiene Verantwortungslosigkeit. Wenn jemand kaschiert, signalisiert er ja für mich, dass ich mit seinem Wissen rechnen, dass mit diesem Wissen auch die Arbeit getan werden kann. …
Es bedeutet, gemeinsam einen Umgang, eine Kultur zu entwickeln, in der es zu einer Selbstverständlichkeit wird, dass man nicht alles wissen muss, sondern dass es nur darum geht, ein Problem zu lösen oder eine Entscheidung zu finden – dass nur das wichtig ist. Und das ist etwas, was sich entwickeln muss unter den Menschen, die zusammenarbeiten.“
Dieter Brandes, Ex Geschäftsführer von Aldi Nord
„Folgende Situation als Beispiel: In einer Qualitätsstandard- Beschreibung steht, dass die Aschenbecher im Hof spätestens dann gereinigt werden müssen, wenn drei Kippen drin sind. Sind nur zwei drin und es regnet, hat man in kürzester Zeit eine hässliche braune Sauce. Nach der Beschreibung ist alles okay, aber wenn der zuständige Mitarbeiter seinen Verstand nutzt, erkennt er den Handlungsbedarf. Für mich ist das, vorausschauen zu können, intuitives, situatives Handeln in Achtsamkeit. Wie im Zen. Mir ist einer lieber, der nicht weiß, aber wie beschrieben handelt, als einer, der die Organisationshandbücher auswendig kann.“
Klaus Kobjoll, Inhaber und Geschäftsführer der Schindlerhof GmbH
„Die Gefahr ist: Je mehr Komplexität ich selbstverständlich erwarte in einer Unternehmenskultur und je weniger Gegengewicht ich in irgendeiner Form dagegen lege, desto höher ist der Impuls in der Organisation Nichtwissen in den Schattenbereich zu verdrängen. Wenn mein Vorstand von mir den selbstverständlichen Umgang mit einer hohen Komplexität verlangt, ohne das Thema Nichtwissen anzusprechen, sendet er an mich die Botschaft: Ich muss alles wissen, was damit zusammen hängt.“
Thomas Terhaar, Mitglied des Vorstands Deutsche Bank Bauspar AG
„In der Wirtschaft spielt Nichtwissen eine große Rolle. Nehmen wir mal das Beispiel von Aktiengesellschaften. Eine Heerschar von Spekulanten beschäftigt sich damit, den Raum des Nichtwissens durch Trends und meist psychologische Faktoren auszufüllen, die den Aktienkurs und somit indirekt den Wert des Unternehmens bestimmen. Also ist das Spekulative, der Bereich des Nichtwissens in der Wirtschaft eine riesige Triebfeder.“
Thomas Ventzke, Ehemaliges Mitglied des Vorstands der Rolf Benz AG
Mit herzlichen Grüßen
Andreas Zeuch
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